BERLIN FAHRT DER 10. KLASSEN 13. – 16.MÄRZ 2017

Dienstag, 04. April 2017, 07.52 Uhr

5.45 Uhr. Mit müden und verschlafenen Gesichtern betreten die 35 Leute der 10. Jahrgangsstufe den Bus. Denn der lang ersehnte Tag der Abfahrt war gekommen. Für 4 Tage soll es nun in die Hauptstadt Deutschlands, Berlin, gehen.
Die 6 Stunden Fahrzeit waren schnell überbrückt, was wahrscheinlich daran lag, dass der Großteil des Jahrgangs noch einmal die Chance auf ein bisschen Schlaf genutzt hat, aber auch wegen der in der Luft liegenden Vorfreude, die nächsten Tage in dem politischen Zentrum der Bundesrepublik verbringen zu dürfen.
Schon mittags erreichte unser Bus das St. Michaels-Heim, unsere Jugendherberge. Sie liegt in Grunewald, einem ruhigen Villenviertel, dem alten Wohnort vieler damaliger Politiker, von dem aus man Berlin-Mitte aber schnell erreichen kann. Viel Zeit zur Erholung war nicht geboten, denn bereits nach dem Beziehen unserer Zimmer ging es direkt weiter mit einer Stadtrundfahrt quer durch Berlin und dessen Historie, vorbei an Schloss Charlottenburg, dem Regierungsviertel und der Gedenkstätte der Berliner Mauer, wo wir erstmals einen Eindruck davon bekamen, was es geheißen haben muss, in einer geteilten Stadt zu leben, für uns heute unvorstellbar. Eine kurze Pause wurde auf dem vielleicht schönsten Platz in Berlin, dem Gendarmenmarkt, gemacht. Nach einem Gruppenfoto nutzen viele schon die Gelegenheit, die erste Berliner Curry-Wurst zu probieren.
Doch nun stand auch schon der erste große Besuch im Bundesrat an. Nach einem Anfangsständchen für unsere Führerin, die Leiterin des Besucherdienstes und eine Gruppe von IPS-Stipendiaten, wurde uns Domspatzen mittels eines Rollenspiels die Gelegenheit geboten, die Abstimmung über einen Gesetzesentwurf der Bundesregierung als Mitglieder des Bundesrates nachzuvollziehen. Bei dem von uns ausgewählten Thema ging es um eine Gesetzesänderung des Rauschmittelparagraphen, der Legalisierung von Marihuana. Mit viel Spaß, aber gleichzeitig auch mit einer großen Ernsthaftigkeit brachten die Schüler als Vertretung der Länder ihre Argumente vor. Überraschend, sowohl für Lehrer wie Schüler, wurde der Gesetzesentwurf zur Legalisierung mit einer großen Mehrheit abgelehnt. Abschließend wurde uns noch der Plenarsaal gezeigt und letzte Fragen geklärt.
Ein schöner, ruhiger Abschluss dieses aufregenden ersten Tages war das abendliche Pizzaessen, bei dem die Schüler sich angeregt über die kommenden Tage unterhielten, sich aber auch mit großer Überraschung den hohen Getränkepreisen, teilweise erst bei der Bezahlung, widmen mussten. Spätestens dann war jeder in der Hauptstadt angekommen.
Doch bereits am nächsten Tag stand schon der wohl spannendste Besuch im Bundeskanzleramt an. Nach den obligatorischen Sicherheitschecks ging es auch schon los mit unserer Führung, die uns sowohl das Gebäude wie auch die dort anfallenden Arbeiten näher bringen sollte. Doch nach einer politisch interessanten Führung, einer Begegnung mit der Kanzlerin selbst und mit dem nicht zu unterschätzendem Gefühl, sich in der Machtzentrale der Bundesrepublik aufzuhalten, rückten das architektonisch durchaus beeindrucke Gebäude und dessen Kunstwerke in den Hintergrund. Die Möglichkeit, uns für die beeindruckende Führung mit einer kleinen Gesangseinlage angemessen zu bedanken, blieb uns leider verwährt. Der Führer teilte uns mit, dass Singen aufgrund der „Lärmbelästigung“ nicht möglich wäre, da sich die dort angestellten Mitarbeiter dadurch in ihrer Arbeit gestört fühlen könnten. Schade, doch klang es fast so als würden wir wegen uns singen und nicht, um anderen eine Freude zu bereiten. Doch um uns nach dem interessanten Besuch wieder zu stärken, ging es zum Potsdamer Platz, wo uns die Möglichkeit geboten wurde, uns in Kleingruppen nach etwas Essbarem, meist McDonalds, umzuschauen. Viele nutzten auch diese erste Gelegenheit, die in Berlin gebotenen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Nach dieser erholsamen Pause ging es gleich weiter:
Als Nächstes stand das Verteidigungsministerium auf dem Programm. Doch bevor wir das Gebäude betraten und die dem Namen alle Ehre machenden Sicherheitschecks passierten, rief unser Lehrer uns zu einer Schweigeminute vor dem Ehrenmal für die Opfer des Widerstands auf, in Gedenken an Stauffenberg und dessen Kameraden, die für den Versuch Deutschland von Hitler zu befreien ihr Leben lassen mussten. Schließlich, im Inneren des Bundesministeriums für Verteidigung angekommen, bekamen wir einen durchaus interessanten Vortrag über das Ministerium, seine Mitarbeiter und die Bundeswehr zu hören. Unsere Fragen konnte der kluge und wortgewandte Oberstleutnant gut beantworten, sodass wir das Verteidigungsministerium zwar mit Antworten, aber durchaus gemischten Gefühlen verließen.
Schon wurde uns wieder die Gelegenheit zum Ausgang und Essen gegeben, so dass auch die störrischsten Schüler sich nicht über zu wenig Freizeit beklagen konnten. Die perfekte Abrundung des Abends gelang mit einem Besuch in der „Distel“, und des dort dargebotenen Kabaretts ,, Im Namen der Raute“ , das die Schüler begeisterte, zum Lachen brachte und den ganzen Wahnsinn des herrschenden Denken und Handelns, aber eben nicht nur das der Politiker, bloß stellte.
Bereits früh stand am nächsten Tag die Besichtigung des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude an, wo Philipp Scheidemann am Westbalkon am 9. November 1918 einst die Weimarer Republik ausgerufen hatte. Nach langem Warten wurden wir in den Bundestag gelassen und durften auf den Gästetribünen Platz nehmen, wo uns ein Mitarbeiter des Besucherdienstes etwas über die Architektur und wie Politik funktioniert in Grundzügen erklärte.
Auch das Gespräch mit den Mitarbeitern von Frau Dr. Freudenstein, die persönlich leider nicht anwesend sein konnte, bei dem uns etwas über den Tagesablauf einer Bundestagsabgeordneten erläutert wurde, war zwar informativ, aber nichtsdestotrotz betrat man das Dach des Bundestags, die Kuppel war aufgrund von Reinigungsarbeiten gesperrt, etwas enttäuscht. Doch die herrliche Aussicht und das Essen in der Kantine des Bundestags ließen alle mit einem versöhnenden Gedanken an den Bundestag zurück.
Weiter ging es mit einem Besuch in dem ehemaligen Gefängnis der Staatssicherheit, wo uns damals selbst Inhaftierte eine Führung über das Gelände gaben, und uns etwas über die unmenschlichen Bedingungen und die perfiden Foltermethoden der Stasi verdeutlichten. Wir verließen den Ort mit einem Ständchen für unseren unglaublich mutigen Führer, denn so interessant der Besuch auch war, das ehemalige Gefängnis hatte etwas sehr Bedrückendes an sich, und sich dem Ganzen nach Jahren der Inhaftierung wieder zu stellen, ist beispielhaft.
Um unsere Gemüter wieder aufzuheitern ging es zum Abendessen in die Konrad-Adenauer-Stiftung, wo die Möglichkeit geboten war, sich bei gutem Essen und heimischen Getränken mit Mitarbeitern der Stiftung auszutauschen und über das aktuelle politische Geschehen zu diskutieren.
Der Tag der Abreise stand bevor und schweren Herzens bedankten wir uns bei den Mitarbeitern unserer Unterkunft mit zwei Liedern, bevor es zum letzten Mal in die Stadtmitte gehen sollte, um entweder richtig shoppen gehen zu können oder das alte Regierungsviertel der NS-Zeit zu besichtigen, wo mit der „Topographie des Terrors“ ein Projekt besteht, das sich mit der Dokumentation und der Aufarbeitung des Nationalsozialismus beschäftigt, bevor es dann zurück nach Regensburg, mit einem kurzen Zwischenstopp in Potsdam, um Schloss Sanssouci und seine Gärten bei herrlichem Wetter zu besichtigen, gehen sollte.
Fahrten wie diese werden in ihrer Wichtigkeit unterschätzt, denn sie tun nichts Geringeres als das Interesse junger Leute an der Politik zu wecken und sie aufzuklären. Gerade in Zeiten von Trumps, Brexits, dem Erstarken von Rechtspopulisten überall in Europa, sind gerade solche Fahrten dringend notwendig. Denn die Demokratie braucht aufmerksame Bürger, sonst geht sie verloren.
Uns bleibt Danke zu sagen, Danke für eine wunderbare und einzigartige Reise, Danke für bewegende, lustige, traurige und beeindruckende Momente. Unser Dank gilt den Menschen, die diese Fahrt möglich gemacht haben, der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Bundesrat, dem Büro von MdB Dr.Freudenstein, dem Elternbeirat, Herrn Judenmann und Herrn Gröninger, unserem Busfahrer, Tom. „Du warst klasse Tom!“ Doch der allergrößte Dank und tiefste Verbundenheit geht an Herrn Poitsch, der diese Reise für uns alle einzigartig gemacht hat. Ob nun mit viel Witz oder großer Beharrlichkeit, er hat es geschafft, uns allen die Politik in ihren Grundzügen näher zu bringen und allen eine unvergessliche Reise beschert. Danke!
21.00 Uhr. Wir sind zurück in Regensburg, eine Stunde früher als geplant. Mancher würde sagen - leider.

(Oskar Matussek, Philipp Schönharting)

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