Frankreichfahrt 2019

Donnerstag, 21. November 2019, 22.06 Uhr

14.10.2019. Sonntagmorgen. Fünfundzwanzig hochmotivierte junge Männer verladen pünktlich um 10:00 Uhr ihr Gepäck, das mit ihnen zusammen die rund siebenstündige Busfahrt ins Elsass antreten soll. Wir fahren los. Obwohl Busreisen dieser Größenordnung selbst beim reiseaffinen Domspatz durchaus für Gereiztheit und schlecht Laune sorgen können, ist die Stimmung ziemlich gut, wenn auch etwas verschlafen. Das ist wohl vor allem der Tatsache zu verdanken, dass die übliche Platznot bei halber Busbelegung ausbleibt, sodass jeder zwei Sitze für sich hat, die durchaus auch für das ein oder andere Nickerchen zu gebrauchen sind. Der weitere Verlauf der Busfahrt bleibt verhältnismäßig unspektakulär. (Zumindest so unspektakulär, dass er hier jetzt nicht weiter ausgeführt werden muss). Angekommen in der Jugendherberge beziehen wir unsere Zimmer und verstauen unser Gepäck. Der nächste Punkt auf dem relativ grob strukturierten Programm ist das erste Abendessen im Elsass. Die Nudeln und das Fleisch sind zwar keine kulinarische Meisterleistung, aber genießbar. Nach dem Abendessen bleiben noch gut drei Stunden bis zur Bettruhe. Genug Zeit, um sich im Gemeinschaftsraum kommunikativ zu betätigen oder ein paar dutzend Runden „Rundlauf“ an der Tischtennisplatte zu spielen, die wohl die Stimmung vieler am Abend gerettet haben dürfte. Um 22:00 Uhr wird es still um die Tischtennisplatte. Bettruhe.
Nachdem am Vorabend nicht alle sofort schlafen gegangen sind, sondern unter Umständen eventuell vielleicht noch ein bisschen mit ihren fünf Zimmermitbewohnern geredet haben, geht es dementsprechend munter weiter. Nach einer angemessenen Stärkung im Speisesaal unserer Unterbringung geht es wieder zum Bus. Nicht allerdings, um die Rückreise anzutreten, sondern vielmehr um der Stadt näher zu kommen, die an diesem Tag unsicher gemacht werden soll. Wir sprechen von der einwohnerstärksten Stadt des Elsass, Straßburg.
Neben dem üblichen obligatorischen Gang durch die (sehr schöne) Altstadt besuchen wir außerdem das Europaparlament. Bei einer Führung durch den 1999 eingeweihten Bau bekommen wir die seltene Gelegenheit, den Plenarsaal von der Besuchertribüne aus zu begutachten. Eine beeindruckende Konstruktion. Des Weiteren erfahren wir eine ganze Menge über Aufgaben und Arbeit des Parlaments, die europäisch-politische Geschichte und die Bedeutung des Elsass für die deutsch-französischen Entwicklungen.
Der erste Tag wird wie auch der Rest der Reise fleißig in Bildern festgehalten, die im Januar am deutsch-französischen Tag zu sehen sein werden. Nach dem Abendessen steht heute noch eine Probe an. In den kommenden Tagen soll gleich eine ganze Reihe von Stücken aufgeführt werden, darunter „Hebe meine Augen auf“, „Alle Tage ist kein Sonntag“, „The earth is my mother“ und „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“. Nach Probenende wiederholt sich das Programm vom Vorabend in leicht abgewandelter Form.
Die elsässische Stadt, die wir am zweiten Tag zu sehen bekommen, ist Colmar, ein schönes Plätzchen mit rund 70.000 Einwohnern. Wir werden durch Gassen und über Plätze geführt und Frau Heidenreich, eine der beiden Lehrkräfte, die unsere Reise begleiten, erzählt und erläutert. Nach einem Ständchen im Kloster Unterlinden sind gut zwei Stunden Zeit, etwas essen zu gehen, bevor die Fahrt in Richtung der KZ-Gedenkstätte Struthof fortgesetzt wird.
Aufgrund von zu hoher Nachfrage und Organisationsproblemen bekommen wir zwar keine Führung, das ist aber in Ordnung, so der allgemeine Konsens. Es bleibt mehr Zeit, sich selbst in der Ausstellung und auf dem Gelände umzuschauen. Bei dem Gedanken an das, was vor ein paar Jahrzehnten hier passiert ist, läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Das nieselige, windige Wetter, das uns seit Beginn unseres Aufenthalts auf französischem Boden verfolgt, verstärkt dieses Gefühl zusätzlich. Nach etwas mehr als zwei Stunden geht es wieder zurück, die Busfahrt ist wie alle anderen Busfahrten auch eine relativ gesellige Veranstaltung, die die Kommunikation zwischen uns und den französischen Schülerinnen und Schülern anregt. Außerdem ist es bei diesem Wetter im Bus am angenehmsten. Nach erneuter Probe und abendlicher Besprechung des Folgetages mit Frau Heidenreich und dem bisher unerwähnt gebliebenen Herrn Gröninger, der auch mit von der Partie ist, geht das Leben weiter. Es wird viel gesungen, gelacht, Tischtennis gespielt.
Mittwochmorgen. Langsam, aber sicher wird es anstrengend aus dem Koffer zu leben, zumal die Frankreichfahrt dieses Jahres, die die erste ihrer Art ist, direkt auf das lange, bereits am Mittwoch beginnende Ferienwochenende, folgt. Dazu soll erwähnt sein, dass der Austausch mit unserer französischen Partnerschule in den Jahren zuvor gänzlich anders abgelaufen ist. Wir sind nämlich bis nach Fontenay-le-Comte gefahren, der Gegenbesuch sollte im Januar stattfinden. Die neue Lösung hat sich aber als einfacher, praktikabler und sinnvoller für alle Beteiligten herausgestellt.
Wir machen uns also auf den Weg nach Freiburg, wo wir den vierten Tag unserer Reise zubringen werden. Um 10:00 Uhr erwartet uns eine Führung durch ein neu geplantes und gebautes Viertel in Freiburg, das den klangvollen Namen „Vauban“ trägt. Es ist ein moderner Stadtteil, bei dessen Planung sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit und Wohlfühlfaktor gelegt wurde. Wohin man auch blickt sind Grünflächen zu sehen, die Häuser sind mit Solarzellen ausgestattet und Autos fahren nur wenige. Nachdem wir uns einmal durch den gesamten Stadtteil bewegt haben singen wir unserer Reiseleiterin noch ein kleines Ständchen. Im Öko-Viertel erklingt „The earth is my mother“, ein Lied, das sich passenderweise mit der Erde und unserer Umwelt sowie deren Schutz beschäftigt.
Es geht gegen Mittag und wir fahren ins Stadtzentrum, wo wir uns umschauen dürfen. Im Freiburger Münster bekommen wir dann die Gelegenheit, ein paar Töne zu singen. Nach den beiden geplanten Stücken stehen bereits unzählig viele Leute im Münster und filmen, sodass spontan noch drei weitere Ständchen dazukommen. Als der letzte Ton verklingt, wird es kurz still. Die Kirche ist mittlerweile rappelvoll. Wir schaffen es trotzdem bis nach draußen, wo wir ein gemeinsames Bild vor dem gotischen Bau machen.
Am Nachmittag soll nun eine kleine Wanderung zu einem Aussichtspunkt inklusive Gondelfahrt stattfinden. Diese Planung wurde allerdings ohne das zunehmend schlechter werdende Wetter gemacht, das wohl allen den Spaß an der Sache verdorben hätte. Deshalb wird kurzerhand beschlossen, nochmal zurück nach Freiburg zu fahren und dort die restliche Zeit bis zur Rückfahrt in einem Café zu verbringen. Dieser Programmpunkt sollte dann aber auch der letzte fixe für diesen Tag sein, der Abend gestaltet sich wie gehabt, die Stimmung ist nach wie vor ungetrübt.
Die letzte Stadt, welche noch besichtigt werden soll, ist Basel. Aufgrund der horrenden Lebensmittelpreise in der Schweiz fahren wir zuerst noch einen Supermarkt an, wobei Supermarkt untertrieben ist. Es handelt sich bei diesem Lebensmittelparadies vielmehr um einen sogenannten Hypermarché, den Cora, in Dornach. Nachdem sich also alle mit ausreichend Verpflegung eingedeckt haben, geht es weiter in die drittgrößte Stadt der Schweiz.
Kurz später stehen wir auch schon im 2016 eröffneten Neubau des Kunstmuseums Basel. Mit dem Arbeitsauftrag, Gemälde aus verschiedenen Epochen, die uns besonders gut gefallen, zu fotografieren, ziehen wir also los in die unendlich scheinenden Weiten der ewigen Ausstellungshallen. Der Museumsbau ist beeindruckend groß und zudem sehr modern gestaltet. Wenngleich nicht alle von uns den ultimativen Zugang zu (vor allem moderner) Kunst haben, war der Aufenthalt ein interessantes Erlebnis und ein gelungener Kontrapunkt zu den vielen sich ähnelnden Stadtbesichtigungen.
Nachdem wir per Fähre den Rhein überquert haben, sehen wir uns in der Stadt um und bewundern das malerische Rathausgebäude. Auch hier wird ein kurzes Ständchen angestimmt, verbotenerweise, wie wir, allerdings zu spät, erfahren, um uns dann schnell in Richtung Bus zu bewegen. Dieser bringt uns jedoch nicht wieder zurück in unsere Unterkunft, sondern setzt uns schon etwas früher ab, und zwar im Stadtzentrum von Mulhouse, der zweitbevölkerungsreichsten Stadt im Elsass.
Dort haben wir am Tag vor unserer Abreise nochmal die Möglichkeit, uns von der Köstlichkeit guter französischer Crêpes überzeugen zu lassen. Nachdem das, soweit ich es beurteilen kann, sehr gut geklappt hat, kehren wir ein letztes Mal in unsere Unterbringung zurück. Um 20:00 Uhr findet eine Art Abschiedsfeier statt, für die die Betreuer am Morgen bereits fleißig eingekauft haben. Wir sitzen mit den französischen Schülern bei Chips und Cola zusammen um uns nochmal zu unterhalten, uns auszutauschen. Nach zwei Stunden ist dann aber endgültig Schicht im Schacht, schließlich geht es am morgigen Tag früh gen Heimat.
Doch bevor es losgehen kann muss jeder die vor allem von französischer Seite tränenreiche Verabschiedung über sich ergehen lassen. Zum Abschied wird nochmal gewunken, was das Zeug hält. Eine gute halbe Stunde später betreten wir das vorerst letzte Mal französischen Boden, und zwar um, wie auch am Vortag, für angemessenes leibliches Wohl während der Rückreise zu sorgen. Als auch der Letzte seinen Proviant über den Sitzen verstaut hat, setzt sich der Bus in Bewegung.
Zu Beginn der Fahrt stockt der Verkehr etwas, aber der Stau ist nicht von allzu langer Dauer. Geplante Ankunft: 17:00 Uhr. Also immer noch gut fünf Stunden. Klingt nach einer Menge, wird aber schon etwas weniger, wenn man bedenkt, welch eine Vielfalt an Beschäftigungs-möglichkeiten sich einem im Bus bietet. Neben dem allseits beliebten Schlafen wäre da außerdem die Beschäftigung mit neumodischen elektronischen Mobiltelefonen aka. Smartphones oder schlichtweg die altmodische, aber ebenso unterhaltsame Konversation mit dem Sitznachbarn oder einem der anderen Mitfahrer. Die Zeit vergeht und schon sind wir eine halbe Stunde vor Regensburg. Es herrscht wehmütige Abschiedsstimmung, die Frankreichfahrt mit all ihren Höhepunkten und Erlebnissen geht zu Ende. Der Aufenthalt als geschlossene Gemeinschaft endet, nicht aber der Aufenthalt als Schüler bei den Domspatzen. Da bleiben uns noch gute zwei beziehungsweise drei Jahre Zeit. Zum endgültigen Abschluss der Fahrt wird zusammen das „Ein hoch auf unsern Busfahrer“ geschmettert. Nach der Ankunft in Regensburg zerstreuen sich die Schüler dann in alle Winde.

Paul Schappert (Avec le soutien de OFAJ; mit Unterstützung des DFJW)

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