Die Ära Schrems

Am 25. Juni 1924 übernahm Theobald Schrems, vorher Musikpräfekt des bischöflichen Knabenseminars Obermünster, das Amt des Domkapellmeisters und damit auch die Leitung der Dompräbende. Im Juli 1925 wurde der Förderverein "Freunde der Regensburger Domspatzen" e.V. ins Leben gerufen. Seine Mitglieder waren ehemalige Studiengenossen und Domchorsänger, die sich ob der desolaten Situation zur Bewahrung der traditionsreichen Institution  zusammengeschlossen hatten. Als erste Ziele wurden die Erhaltung des in seiner Existenz gefährdeten Domchores, Verstärkung der Knaben- und Männerstimmen und die Beschaffung einer neuen Unterbringung formuliert. Die bisherigen Domizile des Domchores, die sog. alte Schule am Domfriedhof (Lit. F 132 am Niedermünsterplatz)  oder das Kapellmeisterhaus (Lit. G 38), sollten für die neue Dompräbende nicht Pate stehen. Nach langem hin und her zwischen Regierung und Domkapitel war es am 4. Januar 1935 endlich soweit: Das neue Heim in der Orleansstrasse wurde bezogen. Diese Verbesserung der Verhältnisse war dem nicht nur chorleiterischen Geschick des neuen Domkapellmeisters zu verdanken.

Waren die Domspatzen bisher als reiner Kirchenchor fast ausschließlich liturgischen Diensten verpflichtet (ein gewisse Lockerung dieser Definition des Chores begann im Kleinen schon im 19. Jh. unter J. Schrems und seinen Nachfolgern), so erkannte Thobald Schrems, daß gerade außerhalb der liturgischen Funktion, ja außerhalb des kirchlichen Raumes eine missionarische Wirkung ausgeübt werden könne, auf die nicht verzichtet werden dürfte. Nebenbei sorgten die Einnahmen aus diesen weltlichen Auftritten auch für die zur Konsolidierung des Instituts notwendige materielle Basis. Es ging wieder aufwärts. Zwischen 1935 und 1940 folgten nun auch die ersten großen Reisen. Zwar ist als erste Auslandsreise die Teilnahme an einem kirchenmusikalischen Kursus im Jahre 1910 in Prag zu nennen, aber erst die Reisen in den 30-er Jahren nach Holland, Polen, Luxemburg, Frankreich, Portugal, Spanien, Südamerika (1937) und die Balkanländer begründeten den Ruf von Welt der Regensburger Domspatzen.

Die Erfolge des Chores und die nun weltweite Anerkennung blieben auch den nationalsozialistischen Machthabern nicht verborgen. Man versuchte das Institut auf Linie zu bringen und versprach materielle Untertützung in großem Umfang, wenn Chor und Institution ihre traditionell engste Bindung an das Domkapitel und die katholische Kirche aufgeben würden. Da dies nicht geschah, begann das Regime damit, den Domspatzen Schritt für Schritt den Boden zu entziehen. Konzertreisen und Theateraufführungen, wie z.B. die Teilnahme an der damals äußerst populären Märchenopernaufführung "Hänsel und Gretel" von Humperdinck, wurden untersagt und die  Schüler wurden durch zahlreiche HJ-Dienste gegängelt. 1944 wurde das Haus in der Orleansstrasse beschlagnahmt, die Domspatzen sollten nach Zwiesel umgesiedelt werden. Schrems wußte dies zu verhindern, indem er in Etterzhausen bei Regensburg ein Notheim gründete. Doch auch gegen diese Lösung richtete sich der Kampf der Parteistellen. Leiter und Lehrer wurden als "Saboteure von Regierungsmaßnahmen" bezeichnet und den Eltern mit Ausschluß ihrer Kinder von allen staatlichen Schulen gedroht. Als selbst diese Mittel nicht zum gewünschten Ziel führten, wurden die Schüler einmal sogar mit Polizeigewalt aus Etterzhausen gedrängt und nur der bald darauf folgende Zusammenbruch der NS-Diktatur verhinderte die völlige Zerstreuung des Chores. 
Die nun folgende Veränderung der politischen Verhältnisse ermöglichte es Th. Schrems, seine Vorstellungen von einer modernen Institution der Regensburger Domspatzen Wirklichkeit werden zu lassen. Mit der Unterstützung von Domkapitel und dem Verein "Freunde der Regensburger Domspatzen" wurde der Neubau des Domspatzeninternates samt Musikgymnasium in der Reichsstraße in Angriff genommen. Der erste Spatenstich erfolgte 1952. 1953 bzw. 1954 waren die jeweiligen Bauabschnitte fertiggestellt und konnten bezogen werden. Nun endlich standen für Chor, Schule und Internat geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung. Aber nicht nur der äußere Rahmen, auch die organisatorisch-strukturelle Basis geht auf Schrems' Wirken zurück. So wurden die beiden Träger der Institution, der Verein "Freunde der Regensburger Domspatzen" e.V. und das bischöfliche Domkapitel Regensburg in dem Kuratorium der Stiftung "Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen" zusammengefasst. In dem Kuratorium waren und sind jeweils zwei Mitglieder der jeweiligen Träger vertreten. Dieses Kuratorium fungiert als Legislative gegenüber dem als Exekutive wirkenden Direktorium, bestehend aus Domkapellmeister, Schulleiter und Internatsdirektor.
Als Prof. Dr. Theobald Schrems als 70-jähriger am 15. November 1963 starb, ging eine Epoche zu Ende; die Epoche eines mühsamen Aufbaus und eines unerhörten Um- und Aufschwungs, den er in seinen letzten Lebensjahren noch in eine Phase der Konsolidierung überleiten konnte.

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