Vom Mittelalter in die Moderne

Entwicklung und Historie des Internates sind naturgemäß auf das Engste mit der Geschichte des Domchores, des Chores der Regensburger Domspatzen verbunden. Doch auch schon in den Anfängen dieser traditionsreichen Institution spielte sich hinter den Mauern der Dompräbende Eigenes ab, geschah Kurioses und Erheiterndes, oft Erstaunliches. Die Rekapitulation einer über 1000-jährigen Geschichte kann wohl nie vollständig sein, weshalb wir uns auf einige Auszüge  beschränken wollen.

Nach dem 770 gefassten synodalen Beschluß, dem ältesten Schulgesetz Bayerns, wurde  jeder Bischof einer Kathedralkirche dazu verpflichtet, eine Schule einzurichten. Bischof Wolfgang war es, der im Jahre 975 die Verhältnisse in seinem Bistum neu ordnete und die zu St. Peter gehörende Domschule gründete. Die Schule am Sitz des Bischofs war die zentrale Bildungsstätte der gesamten Diözese und somit Mittelpunkt gelehrter Studien und kirchlichen Lebens. Auch damals schon waren die Schüler, die "Scolari" oder "Präbendisten", intern in der sogenannten Dompräbende untergebracht. Noch heute trägt der von der Unterstufe bewohnte Bauteil diesen Namen.
Aber zurück in die mittelalterliche Vergangenheit. Die Zeiten damals waren hart, die Präbendisten nicht immer Musterknaben. So sorgten diese beispielsweise am Weihnachtsfest 1248 für eine eher unschöne Bescherung.  "Clerici et scolari" zogen nach damaligem Brauch in freudiger Erwartung einer reichlichen Bewirtung hinaus zum Kloster Prüfening. Als ihnen diese jedoch verwährt wurde, brachen sie die Türen auf, mißhandelten die Insassen und führten Pferde, Rinder und anderes Gut mit sich fort. Abt und Konvent wandten sich schutz- und hilfesuchend an den Papst.
Kost und Unterbringung waren weit entfernt vom heutigen Standard. Das Schülerleben war im wahrsten Sinne des Wortes ein hartes Brot. Im Jahre 1583 klagt der Kantor Philipp Lederer vor dem Domkapitel: "Die Knaben haben Ime offtermahls clagt, wie sy unsauber und übel gehalten werden in der kost. Es sein die suppen oft nit gesotten, das krautt ungesalzen und ungeschmalzen, deß fleischs wenig; item haben neulich ein mauß in der speiß gefunden, vor ungefehr dreien Jahren Spinnweppen bißweill Asseln, Kefehr und dergleichen abscheußlich drinnen funden. Solcher unsaubrigkeit halber, haben viell Knaben nit bleiben künden und deßhalb urlaubnuß begert auch hinweggezogen ... auch habe man in der ganzen fasten nur drey mall Fisch gespeiset, den ersten Freitag in der fasten, am Antlaßtag und nur weißfisch, sonsten allzeit stockfisch. Da sy es vor wenig tagen solchs beredt, hab der kostherr die Knaben mit rierenstecken (Kochlöffel) schlagen wellen und außgejagt." Ein anderer Zeitzeuge weiß zu berichten: " ... Es wird auch den Khnaben jetzt winters zeit zur zeit des Essens nit eingeheizt, und zuenacht zum Essen kain Licht geben." Auch die Unterbringung gab Anlass zur Klage. So berichtet der Domdechant im Jahr 1592, dass ihm der Schulmeister angezeigt habe, dass "die capitlischen Knaben mehrer nit als 4 Betten haben, welche für 12 Knaben zu wenig."
Die Tageseinteilung aus dem Jahre 1611 erzählt von einem anstrengenden Alltag:

4.45 Uhr  ..... Wecken
6.00 Uhr  ..... Unterricht
8.00 Uhr  ..... Gottesdienst im Dom
9.00 Uhr  ..... Reinigen des Schlafraums, Betten machen, ausfegen des Ofens;  anschließend
bis 10.00 Uhr Studierzeit
10.00 Uhr .... Tischgebet und Mittagessen (die Präbendisten begeben sich dorthin zu zweien ohne Geschrei)
11.00 Uhr .... Freizeit
12.00 Uhr .... Gesangsunterricht oder Studium
13.00 Uhr .... Unterricht
14.00 Uhr .... Vesper im Dom (Dispens in Ausnahmefällen bei rechtmäßiger Verhinderung)
15.00 Uhr .... Freizeit
16.00 Uhr .... Studierzeit
17.00 Uhr .... Abendessen, danach Freizeit oder Beschäftigung nach Wahl
20.00 Uhr .... Abendgebet, Silentium
20.15 Uhr .... Bettruhe

Auch Ferien in unserem heutigen Sinne gab es damals noch nicht. Nur an einigen wenigen Feiertagen waren den Schülern besondere Freiheiten und ein Festessen vergönnt. Unterbringung und Kost waren also den damaligen Zeiten entsprechend bescheiden. Auch die Schülerzahlen blieben in diesem Rahmen. Diese schwankten bis ins 19. Jahrhundert zwischen 2 und 34 Schülern. Die minimale Schülerzahl von zwei Präbendisten im Jahr 1646 war eine Folge der Wirren und Nöte des 30-jährigen Krieges. Der Dompräbende drohte damals gar die Schließung.
Im April 1809 brannte die damalige Unterkunft der Präbendisten, das sog. Kapellmeisterhaus, bei der Beschießung Regensburgs durch die Franzosen bis auf die Grundmauern nieder. Angemietete Räumlichkeiten wurden zum Notquartier. Ein Jahr später, im Jahre 1810, fiel die bis dahin Freie Reichsstadt an das Königreich Bayern. Regensburg und damit auch die damaligen Domspatzen werden ein Teil Bayerns.
Auch die Strukturen begannen sich zur heutigen Form hin zu entwickeln. Die bis dahin alleinig vom Domkapitel getragene Finanzierung wurde im Jahr 1819 zwischen Staat und Kirche aufgeteilt. Die Finanzkammer der Regierung des Regenkreises begründete dies mit dem "Wert und der Unentbehrlichkeit der Präbende als Bildungsanstalt".
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Schülerzahl schrittweise erhöht. Im Jahr 1876 besuchten 68 Schüler die Dompräbende. Grund für die wachsende Schar waren sowohl die nun großzügigeren Räumlichkeiten-man war in die Gebäude der "Armen Schulschwestern" am Kornmarkt umgezogen-als auch die immer häufiger zu verrichtenden kirchenmusikalisch-liturgischen Verpflichtungen. In jener Zeit beginnt auch der Gesang der Domspatzen über die Grenzen der ehemals Freien Reichsstadt hinaus wahrgenommen zu werden. So fand ein Konzert in Graz 1876 in damaligen Presseberichten starke Beachtung.
Trotz der großen Verdienste der Domkapellmeister und Inspektoren der Dompräbende Joseph Schrems, Franz Xaver Haberl und zuletzt Franz Xaver Engelhart fasste das Domkapitel im Kriegsjahr 1917 den Entschluss, die Zahl der Präbendisten auf 24 zu verringern. Damit nicht genug. Die Inflationsjahre 1922/23 drohten die Einrichtung gänzlich zu ruinieren. Schüler verließen das Haus, weil ihre Eltern die Pensionskosten nicht mehr aufbringen konnten, und die staatlichen Fördermittel reichten nicht mehr aus, um den Etat zu decken. Mitten in diesem Ringen um die Existenz verstarb Fr. X. Engelhart, der für den Knabenchor fast sein ganzes Vermögen geopfert hatte.
Eine drückende Fülle von finanziellen Problemen und organisatorischen Aufgaben erwarteten den Nachfolger. Alle Hilferufe an kirchliche Stellen, an Stadt, Land und Reich blieben ungehört. Die Institution stand vor ihrem Ende.

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