Besuch der neunten Klasse auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Dienstag, 23. Juli 2013, 09.03 Uhr

Vernichtung, Qual und Schrecken: Jeder weiß, was Grauenhaftes im Zweiten Weltkrieg geschehen ist. Und jeder weiß, was die Nationalsozialisten in diesem für eine Rolle gespielt haben. Doch dennoch wissen viele nicht, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass sich so viele Menschen für eine derartige Ideologie begeistern ließen. Und um dieser Frage nicht nur mithilfe von Texten, Bildern oder Filmen nachzugehen, sind wir, die 9. Klassen, zusammen mit unseren Lehrkräften Christian Kreikle, Bernhard Gietl und Monika Forster nach Nürnberg gefahren, denn dort ist das Gelände, auf dem Veranstaltungen stattgefunden haben, die auch zu einem großen Teil dazu beigetragen haben: dem Reichsparteitagsgelände.

Gleich nach der Ankunft in Nürnberg merkte man schon, dass der Komplex, vor dem wir standen, kein normales Gebäude war: die Größe der Kongresshalle und die schier unzähligen tristen Granitplatten erdrückten sprichwörtlich erst einmal jeden. Und genau das war auch so gewollt: Jeder, der den Reichsparteitag besuchte, sollte sich klein, aber als Teil des großen Ganzen fühlen. Das konnte man spätestens im Innern der nie fertiggestellten Halle spüren. Wir erhielten viele Informationen rund um das Gebäude, beispielsweise, dass anstatt der jetzigen 40 Meter Höhe eine eigentliche von 70 Metern geplant war, diese jedoch aufgrund des beginnenden Krieges 1939 nicht gebaut wurde, oder dass die größenwahnsinnigen Pläne der Parteifunktionäre aus heutiger Sicht sowieso nicht umsetzbar gewesen wäre, auch wenn man es gewollt hätte. Denn in dieser Halle hätten einmal mehr als 50000 Menschen Platz finden, was sie zur weltweit größten ihrer Art gemacht hätte, und eine freitragende Decke besitzen sollen. Weiter gingen wir in einem etwas längerem Fußmarsch, wobei dieser im Vergleich zum gesamten Gelände, das über 16,5 Quadratkilometer groß ist, äußerst kurz war, zur Großen Straße, die einmal zur zentralen Achse des Areals hätte werden sollen, und sahen die genau eingeplanten Begrenzungen und Markierungen auf dem Boden, die extra für die Richtigkeit bei geplanten Aufmärschen und Siegeszügen, die dort allerdings nie stattgefunden haben, gesorgt hätten. Als letzte Station unserer Führung erreichten wir das Zeppelinfeld, das fertiggestellt wurde und auf dem mehrtätige Reichsparteitage stattgefunden haben. Auf einer Fläche von mehr als zwölf Fußballfeldern hatten hier mehr als 320000 Menschen Platz. Und genau hier erfuhren wir, dass die Reichsparteitage nur Veranstaltungen zur Inszenierung und Propaganda waren. Sie wurden alle schon wie ein Kult ausgetragen, schon fast so, als wäre es eine religiöse Veranstaltung. Für die damalige Zeit unvorstellbar helle und grelle Scheinwerfer ragten in den Himmel und machten den sogenannten „Lichtdom“ selbst aus der Ferne noch sichtbar. Märsche, Festzüge, Gesänge und Jubel waren alle zum Mittelpunkt der Tribüne gerichtet, besser gesagt zu einer Person: Zu Adolf Hitler. Der Führerkult bekam hier einen besonderen Platz, alles sollte einer Kultstätte ähnlich sehen, genauer gesagt antiker Kultstätten bzw. einem Flair, das an eine nicht existierende germanische „Tradition“ anknüpfen sollte. Abschließend haben wir dann noch das „Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände“, ein Museum, das noch einmal die Geschichte des NS-Regimes aufzeigt und nicht nur durch die Architektur und dunklen Räume Schaudern erregt sondern auch durch seine klare Struktur einleuchtend wirkt, besichtigt.

Man kann sich schon vorstellen, weshalb die Nationalsozialisten alles so gebaut haben, wie sie es gebaut haben, und wieso sie derartige Veranstaltungen genau so ausgerichtet haben: Sie hatten System. Sie wollten, dass jeder Besucher eines Parteitags begeisterter Anhänger ihrer Partei wurde und ihre Ideologie verbreiten. Sie wollten die Besucher vor allem mit Emotionen ansprechen und haben es auch getan – und so für eine der schlimmsten Verbrechen der Menschheit gesorgt.

von Jonas Strasser, 9a

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