Feierstunde zum Gedenken an die Opfer des 1. Weltkrieges.

Dienstag, 05. Januar 2016, 17.25 Uhr Uraufführung der Komposition von Dorothea Schliekmann „In Freiheit“ spannt Bogen bis zur Gegenwart.

Die Schüler der Q11 und Q12 des Gymnasiums der Regensburger Domspatzen gestalteten eine Gedenkfeier für die Opfer des 1. Weltkrieges, wobei sie ihre Ergebnisse der Projekttage vom Schuljahresende 2014/2015 im Rahmen einer Gedenkveranstaltung im Wolfgang-Saal präsentierten.
Ausgangspunkt der Recherche waren die Kriegserlebnisse von Franz Gutneder und seines Bruders Georg, die sich nicht in Geschichtsbüchern finden, obwohl beider Leben „ deutsche Geschichte“ ist.
Von Georg Gutneder ist nur ein Sterbebild und ein Bild seines Grabes erhalten. Er starb nach der Schlacht auf der Lorettohöhe im „Jünglingsalter von 19 ½ Jahren“. Auf der Rückseite des Sterbebildes wagen die Eltern die Klage über den Verlust des Sohnes, die zur Anklage wird:

Eltern und Geschwister mein
Ich kehre nicht mehr zu euch heim
Der letzte Gedanke, der letzte Blick
Der eilt noch zu euch zurück
Als ich starb in Feindesland
Reichte niemand mir die Hand

Alexander Niebler (Q12) hat das Sterbebild neu interpretiert und stellte seine Interpretation, die den Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet ist, den anwesenden Schülern aus den Klassen 9-12 vor.
Der 2. Teil der Gedenkstunde gehörte den überlebenden Kriegsteilnehmer, die dennoch ihr Leben lang Opfer dieses Krieges geblieben sind.
Frau Eberl-Kellerer, Deutschlehrerin am Gymnasium, stellte dazu das Original-Tagebuch sowie Fotografien und Postkarten ihres Großvaters zu Recherchezwecken zur Verfügung. Vorab referierte Frau Eberl-Kellerer zur Kriegsbiographie von Franz Gutneder, der sich im Herbst 1915 als Freiwilliger für eine Militärmission ins Osmanische Reich gemeldet hatte. Nachdem ihm Tropentauglichkeit attestiert worden war, konnte er so dem Kriegsschauplatz Frankreich entkommen. Sein Einsatz führte ihn entlang der Balkanrute zunächst nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, daraufhin nach Bagdad.
Als Motiv für die Teilnahme an dieser Mission gab er stets an, dass er einmal in seinem Leben weit fortkommen wollte. Während dieser Zeit trug er die türkische Uniform und war Soldat der türkischen Armee. Hierbei entstanden seine Tagebucheinträge. In Bagdad angekommen, erkrankte er so schwer an Malaria, dass er erst mit dem letzten Truppen-Transport in die Heimat zurückkehren konnte. Nach seiner Genesung nahm er an weiteren Gefechten in Frankreich teil, bis er nach Kriegsende 1918 aus der Armee entlassen wurde. Nach dem Krieg begann er sich sein eigenes Leben aufzubauen, heiratete, gründete eine Familie und lebte ein stilles, zufriedenes und bescheidenes Leben.
Weit fortgekommen, ist er nie mehr.

Im Anschluss präsentierte Jonas Strasser (Q12) den Verlauf der „Reise in den Krieg“ virtuell.
Flavio Krug (Q12) übernahm die Präsentation der erhaltenen und beschrifteten Postkarten

Danach folgte die Lesung einiger Passagen aus dem Tagebuch beginnend mit Franz Gutneders Ankunft in Konstantinopel am 6. Februar 1916.
Die musikalische Umrahmung der Feierstunde übernahmen Simon Rager an der Orgel, eine Schüler-Combo unter der Leitung ihres Präfekten Martin Kugler sowie ein Vokalensemble, das eine Eigenkomposition von Frau Dorothea Schliekmann, Mutter unserer Kunstlehrerin Frau Barghahn vortrug. Dorothea Schliekmann musste am Ende des 2. Weltkrieges aus ihrer Heimatstadt Königsberg flüchten. Heute ist es ihr ein großes Anliegen zur „Versöhnung“ mit ihrer Heimatstadt beizutragen, weshalb sie das Lied „In Freiheit“ komponierte und textete. Alexander Niebler verfasste den Tonsatz, so dass es anlässlich dieser Feierstunde erstmals aufgeführt werden konnte. Damit hat sich in dieser Feierstunde für die 85-jährige Dame ihr sehnlichster Wunsch erfüllt.

(Sigrid Eberl-Kellerer)


Weitere Informationen zum Thema unter:
Europeana 1914-1918: Tagebuch von Franz Gutneder
Europeana 1914-1918: Nachlass von Franz Gutneder

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