Zeitung in der Schule. Donaustrudel - mehr als eine Straßenzeitung

Mittwoch, 29. Juni 2016, 12.26 Uhr Der Zeitungsverkauf und das Bücherprojekt des Regensburger Donaustrudls kommen den Obdachlosen und Armen zugute. Von der Klasse 8b des Musikgymnasiums der Domspatzen

Regensburg.„Wer zuerst am Verkaufsplatz ist, darf dort bleiben!“ Dies bezeichnet die Sozialarbeiterin Melanie Pauli als die goldene Regel des Zeitungsverkaufs beim Donaustrudl. Die Verkaufsstelle ist hierbei in Regensburg frei wählbar, aber ein Mindestabstand von 50 Metern ist dort einzuhalten, wobei die 40 bis 45 Angestellten meist in der Innenstadt anzutreffen sind. Bei der Sozialen Straßenzeitung, von der 5000 bis 7000 Exemplare gedruckt werden, kommen von den zwei Euro Verkaufspreis 90 Cent direkt dem Verkäufer zugute. Wer sich als Zeitungsverkäufer bewerben will, muss mindestens 18 Jahre alt sein, und darf ein Einkommen von höchstens 500 Euro im Monat zur Verfügung haben. Im Büro des Donaustrudls stapeln sich die Bücher. Die Einnahmen aus dem Verkauf fließen unter anderem in den Druck der Straßenzeitung. Für Besucher des Büros stellt sich erstmals die Frage nach der Zeitung, da man auf den ersten Blick nur Bücher sehen kann. Erst, wenn man um die Ecke geht, kann man die Auswahl von verschiedenen Themen und Titelbildern erblicken. Dort wird jede Woche mit den ehrenamtlichen Reportern über den Inhalt und das Aussehen des Magazins diskutiert. Auch die Verkäufer haben hier die Möglichkeit an der Gestaltung der Straßenzeitung teilzunehmen. Beim Blick geradeaus findet man ein gigantisches Labyrinth von Bücherregalen vor, in welchem verschiedenste Bücherthemen, von Philosophie bis Erotik, Blu-ray-Discs, Schallplatten, Spiele und sogar Kulturgegenstände vorzufinden sind. Die freiwilligen Mitarbeiter arbeiten hart daran, die abgegebenen Bücher zu sortieren und zu bewerten, dies wird in einem kleinen erhöhten Raum deutlich, der sich am Ende des Labyrinths befindet. In diesem stapeln sich die neu abgegebenen Bücher zu riesigen Haufen.

Die besten und wertvollsten Bücher werden im Internet verkauft, wobei der Durchschnittspreis oft deutlich unter dem anderer Anbieter liegt. Die Einnahmen des Bücherprojekts werden genutzt, um den Druck der Zeitung zu finanzieren und das Büro aufrecht zu erhalten. Die Bücher werden meist von Leuten, die diese bereits gelesen haben, oder die nach einem Umzug keinen Platz mehr für die Bücher haben, abgegeben.

Ein geplantes Projekt ist das Erstellen eines alternativen Stadtführers, der wegen seiner höheren Anzahl an Seiten einen höheren Verkaufspreis hat. Der Verkäufer erhält allerdings auch einen höheren Anteil am Erlös. „So schafft sich der Donaustrudl neben Zeitungsverkauf und Bücherprojekt ein weiteres Standbein.“

Raus aus der Obdachlosigkeit

 

Andi verkauft in Regensburg die Soziale Straßenzeitung Donaustrudl. Mit den Schüler sprach er über sein Leben.


Wie sind Sie zum Donaustrudl gekommen?
Andi: Eigentlich bin ich gelernter Krankenpfleger, dann hatte ich um 2000 private Probleme. Ich hab dann alles hingeschmissen und bin drei Jahre lang durch Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal und Tunesien getingelt. Habe mich dort mit Straßenmusik und Straßenmalerei über Wasser gehalten. In der Zeit war ich obdachlos. 2003 bin ich dann in Regensburg angekommen und bin dann zum Donaustrudl, hab mich dort eingegliedert und mir einen festen Wohnort gesucht. Haben Sie neben dem Zeitungsverkauf noch weitere Geldeinnahmequellen? Andi: Ich bin dann frühberentet worden, aber durch nur 20 Berufsjahre ist es nicht viel Rente, was ich dabei bekomme. Durch den Zeitungsverkauf kann ich mir auf legale Weise noch etwas dazu verdienen.

 


Wie viel verdient man ungefähr im Monat dazu?
Andi: Das ist unterschiedlich. Es kommt drauf an, wie lange ich draußen bin und wie das Wetter ist. Ich sehe mich als selbstständigen Unternehmer.


Haben alle Verkäufer eine Wohnung?
Andi: Nein. Es sind einige dabei, die sind obdachlos und wohnen in der Taunusstraße, das ist die Obdachlosenherberge in Regensburg, oder unter der Brücke.


Wie viele Verkäufer schaffen den Sprung in das „normale“ Leben, mit fester Arbeit und Wohnsitz?
Andi: Ein Teil schafft es natürlich nicht. Circa 50 Prozent – auf längere Sicht – schaffen es dann auch, sich zumindest einen Grundstock zu schaffen und einige schaffen es dann ganz wieder raus.

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