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Geheimnis und Erhebung

Knabenchor bringt das Mysterium des Glaubens zum Klingen

Die Regensburger Domspatzen gaben am Sonntag, 13. Mai 2007, um 19.00 Uhr ein Konzert in Ansbach, St. Ludwig

ANSBACH – Klar:  Dieser Auftritt hat Gewicht. Die Regensburger Domspatzen gehören zu den Großen unter den deutschen Knabenchören. Domkapitular und Regionaldekan Hans Kern nennt in seiner Begrüßung noch die Eckdaten: 200 Jahre Wiedererrichtung einer katholischen Pfarrei, 1000 Jahre Bistum Bamberg und 30 Jahre seit dem letzten Auftritt der Domspatzen in Ansbach, im Eröffnungsgottesdienst der Bachwoche 1977 in St. Johannis. Es dirigierte Georg Ratzinger, die Predigt hielt sein Bruder Joseph. Der frisch berufene Erzbischof von München und Freising ist heute Papst Benedikt XVI., sein Bruder der prominenteste Pensionist  der katholischen Welt  und der Chor trägt den gefühlten Ehrentitel „Papst-Chor an sich“. Da hört das evangelische Ansbach gespannt zu und genau hin.
Und es rechnet nach. Ganz so groß ist die zeitliche Spanne nämlich nicht gewesen, ein Konzert in St. Gumbertus teilt die 30 Jahre, nennen wir es einfach „Zwischenaufenthalt“. Der Ablauf an diesem schwül-warmen Frühabend ist einem Ritual zum Verwechseln ähnlich, das die Stadt von anderen Auftritten kennt. Knapp 60 Knaben ziehen von Beifall umwogt ein, hier  gefolgt von Domkapellmeister Roland Büchner. Er hat ein Programm zusammengestellt, das fest wie  eine Achse ist und die „allein Jesus Christus“ heißt – Erzbischof Schick  hat sich dies auf seine Fahne und Papst Benedikt darüber sein aktuelles Buch geschrieben.
Darum herum dreht sich die zwei großen Aspekte; das Geheimnis des Leidens und die Anbetung in Ewigkeit. Als Sprache wählt er Latein, musikalisch macht er sie zum einen an Musik der Renaissance, zum anderen an Musik älterer und jüngerer Klassiker wie Mozart und Rheinberger fest. Dreh- und Angelpunkt ist die Gegenwart des Auferstandenen und sein Leben mit der Gemeinde. Die Sprache dafür ist Deutsch, die Epoche – wie  könnte es anders sein – die Gegenwart, vertreten durch den 1922 geborenen Komponisten Fritz Schieri. Sein „Horche auf, o Himmel“ entfiel wegen Erkrankung des Solisten.
Büchner wählt eine Klangsprache,  die beiden dient, dem Geheimnis und der Erhöhung, nennen wir es illustrierender Superklang. Der große Chorraum stellt die Knabenstimmen in ein sphärisches Licht, die Männerstimmen erhalten ein rollendes Fundament, im Ergebnis ist es ein Breitwand-Erlebnis. Die Dynamik ist phänomenal gleitend, wenn auch nicht  wogend oder mit dem feurigen Atem zu verglei- chen, wie ihn Karl Friedrich Behringer für die Windsbacher wählen würde. Büchner dirigierte ohne die großen Gesten, stellt keine artistischen Forderungen, ist ganz und gar unmilitärisch. Die Textver- ständlichkeit ist nicht bis ins Letzte ausgezirkelt, muss es auch nicht sein, denn hier wird dem Klang, der Erhebung der Herzen gedient. Da die Forderung an die Musik nicht wie im evangelischen Bereich die einer zweiten Predigt ist, braucht er keine Textillustration im Sinne einer Auslegung zu betreiben, sie darf hier einfach nur wunderschön sein.
Regionalkantor Johannes Rauh an der Orgel  kommt die Aufgabe zu, die Sitzpause der Zuhörer zu füllen. Er knüpft mit einem sprechenden Tonfall an die Vokalmusik an und leitet mit Hendrik Andriessen schrittweise in ein rauschendes Orgel-Plenum.
Als  Zugabe singt der Chor Jean-Philippe Rameaus „La Nuit“, dann sind 60 ausziehende Sänger zu sehen und hunderte Händepaare zu hören. Lange, lange.



Fränkische Landeszeitung vom 15.5.2007


Martin Stumpf





 


 

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