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Ideale Balance zwischen Grazie und Ernst
Das Eröffnungskonzert "Tage Alter Musik" mit den Domspatzen in der Dreieinigkeitskirche
REGENSBURG. Das Publikumsgeraune ist noch nicht verstummt, da hat, fast unhörbar, schon Mozarts große g-Moll-Sinfonie eingesetzt. Und fast unsichtbar: Denn "Concerto Köln" verzichtet, historisch korrekt, auf die Leitung vom Dirigentenpult aus. Die Präzision leidet darunter nicht: Dieses Spitzenensemble aus dem Bereich der historischen Aufführungspraxis bietet beim Eröffnungskonzert der diesjährigen "Tage Alter Musik" in der Dreieinigkeitskirche eine nahezu perfekte Leistung, ein paar schwache Momente der Hörner einmal abgerechnet. Vergessen, verziehen, denn der Interpretationsansatz von "Concerto Köln" zeitigt immer wieder beglückende Momente. Die Musikerinnen und Musiker spielen so strukturell durchsichtig wie affektreich und halten in ihrem vorwiegend zügigen Musizieren eine ideale Balance zwischen Grazie und Ernst.
Wundervoll tragender Chorklang
Ohne Dirigent lässt sich beim Hauptwerk des Abends nichts mehr ausrichten: In Schuberts Es-Dur-Messe, bei dem sich zum verstärkten Orchester der Chor der Regensburger Domspatzen gesellt. Roland Büchner hat die Massen der Ausführenden nicht nur fest im Griff, sondern sorgt von den ersten Kyrie-Takten an für eine dynamisch höchst ausgefeilte Interpretation, in der sich der wundervoll tragende Chorklang und die Instrumentalfarben wunderbar ineinander verblenden. Kraftvolle und herbe Akzente besonders der Bläserstimmen vernimmt man, die gleich wieder in ein warmes Piano zurückgebogen werden. Ebenso geschmeidig weiß der Chor die Ausdrucksebenen zu wechseln. Bei Stellen wie dem selig-schönen "Gratias" oder dem "Qui tollis" des Gloria möchte man schier vergessen, dass man im Konzert sitzt.
Andachtsvolle Stimmung breitet sich aus: so ergreifend gelingen die Wechsel zwischen dem wie verzagt zurücktretenden "Peccata mundi" und dem sanft aufleuchtenden "Miserere". Zusätzliche Glanzlichter setzen der Aufführung die in Terzett- oder Quartettformation agierenden Solisten auf: Susanne Ryden (Sopran) und Hildegard Wiedemann (Alt), dazu die sämtlich aus der Talentschmiede der Domspatzen hervorgegangenen jungen Sänger Maximilian Schmitt, Michael Mogl (Tenor) und Willi Schwinghammer (Bass). Sie tragen im herzbewegenden "Et incarnatus" oder im "Benedictus" das Ihre zu dem überwältigenden Gesamteindruck dieses Eröffnungskonzerts der "Tage Alter Musik" bei, mit dem das Festival verheißungsvoll in sein dreiundzwanzigstes Jahr startet.
Gerhard Dietel, 29. Mai 2007, Mittelbayerische Zeitung, Regensburg
