/ Presse / Chor / Interview mit Georg Ratzinger zum 85. Geburtstag
Eucharistie ist nicht denkbar ohne Musik
Ein Interview mit Georg Ratzinger aus Anlass seines 85. Geburtstages am 15. Januar 2009
Frage: Welche Bedeutung hat die Musik für Ihre Religiosität?
Georg Ratzinger: Eucharistie in der Kirche ist nicht denkbar ohne Musik. Erst die Musik macht sie zu einer Feier, dass sich die Menschen innerlich damit beschäftigen. Musik ist etwas, das einen Menschen innerlich hebt, innerlich trägt und somit zu einem Erlebnis macht. Das habe ich sehr lange als Chorleiter in Regensburg bei den Domspatzen tun dürfen.
Haben Sie als Leiter der Regensburger Domspatzen die Verbindung von Priestertum und Musik in idealer Weise verwirklichen können?
Ratzinger: Ich habe mich bemüht. Bei mir ist es schon ineinander gegangen. Die persönlich Religiosität konnte ich lebendig werden lassen in der musikalischen Gestaltung. Ich habe viele Werke aufgeführt, die mir große Freude gemacht haben, aber das Entscheidende war doch immer das Liturgische.
Verfolgen Sie nach fast 15 Jahren im Ruhestand die Geschicke der Domspatzen weiterhin mit Interesse?
Ratzinger: Ja. Durch meine Sehbehinderung ist es natürlich getrübt. Aber ich interessiere mich dafür, welche Aufgaben sie haben, wie sie gelöst werden und welche andere Art von Chorarbeit jetzt gepflegt wird.
Ein Konzert zu Ihren Ehren in der Sixtinischen Kapelle in Anwesenheit Ihres Bruders, ist das das schönste Geburtstagsgeschenk?
Ratzinger: Es geht durch die Presse, dass ich das gewünscht habe. Das stimmt aber nicht. Ich habe Vorwürfe bekommen, dass ich so aufwendige und teure Wünsche habe, die ja eigentlich nicht tragbar sind in unserer Zeit, wo es doch so viele arme und notleidende Menschen gibt. Das ist natürlich eine sehr schöne Feier des Geburtstages, die ich mir schöner nicht hätte erträumen können. Aber es war eine Idee der Domspatzen beziehungsweise meines Nachfolgers. Es ist eine große Freude, obwohl ich persönlich meinen Geburtstag lieber in aller Stille feiern würde.
Hat sich das Verhältnis zu Ihrem Bruder verändert, seit er Papst ist?
Ratzinger: Mein Bruder hat sich überhaupt nicht verändert. Das persönliche Verhältnis bleibt davon unberührt. Wir reden immer noch in gleicher Weise miteinander. Er hat auch überhaupt keinen Dünkel und keine Ansprüche. Der Rest ergibt sich dann durch die Lebensumstände von ihm und von mir. Aber eigentlich hat sich das Verhältnis nicht geändert, außer dass er nicht mehr nach Regensburg kommt, sondern ich nach Rom komme. Auch wenn sein Tagesablauf heute relativ gedrängt ist – wenn wir uns sehen, ist es wie eh und je.
Könnten Sie bitte folgenden Satz vollenden: Wenn ich auf mein Leben zurückschaue . . .
Ratzinger: Natürlich war die Ernennung zum Domkapellmeister enorm bedeutend. Das hat auch große Anforderungen an mich gestellt und das ganze Leben geprägt. Aber ich darf die Priesterweihe davor nicht vergessen, die die Lebensbahn schon eindeutig gemacht hat. Diese beiden Ereignisse waren entscheidend für meine Lebensgestaltung.
