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Fortbildungsmöglichkeit zum Thema Dialektologie für die Deutschkolleginnen und -kollegen der Regensburger Gymnasien

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Im Rahmen einer zunächst schulinternen Veranstaltung zum Thema “Dialektologie des Deutschen” des Marburger Sprachwissenschaftlers Philipp Spang für die Oberstufe und die Fachschaft Deutsch des Musikgymnasiums der Regensburger Domspatzen konnten mit Unterstützung der MB Dienststelle noch kurzfristig die Deutschlehrkräfte der Regensburger Gymnasien in den fast vierhundert Plätze fassenden Wolfgang-Saal des Domspatzengymnasiums eingeladen werden. Philipp Spang war auch nach Regensburg gereist, um nach seinem Vortrag Sprachaufnahmen von einigen Domspatzen der Altersgruppe der Achtzehnjährigen für die Neuauflage des deutschen Sprachatlasses zu machen. Bei dieser Veranstaltung durfte natürlich „Dialektpapst“ Dr. Ludwig Zehetner, Professor für bairische Dialektologie an der Universität Regensburg nicht fehlen, der den Kontakt zwischen Philipp Spang und Wolfgang Judenmann hergestellt hatte.
Seinen Vortrag „Deutsche Sprache – viele Sprachen“ hatte Philipp Spang, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Regionalsprache.de am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg mit dem Aufgabengebiet Neuerhebung, Aufbereitung und Auswertung von Sprachdaten nach „Gegenstand und Methoden der klassischen Dialektologie“, „Neue Ansätze am Beispiel von REDE und DiGS“ und „Lautwandel am Beispiel der 2. Lautverschiebung“ gegliedert.
Zunächst gab er einen Einblick in die Dialektologie und Variationslinguistik. Deutsch sei, die Sprache von Goethe und Schiller. Dies verweise auf die reiche Tradition der in der Schriftsprache abgefasster Literatur. Doch Deutsch ist auch die Sprache, die in Marbach oder Frankfurt gesprochen wird – und bisweilen große Unterschiede zum Standarddeutschen aufweise. Sprachwissenschaftler wie Spang wollen das Bewusstsein dafür wecken, dass Deutsch neben der Schriftsprache eine Vielzahl regionaler Sprachformen beinhaltet, und den Beweis antreten, dass die Beschäftigung mit gesprochener Sprache ebenso lohnenswert sei wie die Literaturwissenschaft. Am deutlichsten werde die sprachliche Vielfalt am Beispiel der Dialekte, die seit dem 19. Jahrhundert Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sind. Typisch für die Dialekte ist, dass sich Aussprache und Wortwahl bereits von Ort zu Ort unterscheiden. Um die Ortsdialekte aus ganz Deutschland miteinander vergleichen zu können, entstand ab 1887 der Vorläufer des heutigen Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas. Der Vortrag stellte die Methoden vor, mit denen die systematische Erfassung von Dialektsätzen aus über 40.000 Orten bewerkstelligt wurde. Heute, über einhundertdreißig Jahre später wird im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas erneut eine deutschlandweite Erhebung von Sprachdaten durchgeführt. Das hier vorgestellte Projekt „Regionalsprache.de“ verbindet die Erkenntnisse der klassischen Dialektologie mit den Fragen der Variationslinguistik: Die Variation der Sprechweisen im Raum wird um die Variation am Ort ergänzt, indem die Sprachverwendung in verschiedenen Situationen und Generationen untersucht wird. Von besonderem Interesse ist hierbei, welche Sprechweisen gewählt werden, und welche Faktoren auf die Art zu sprechen einwirken. Der Vergleich zu älteren Forschungen sowie zwischen den Generationen erlaube außerdem Rückschlüsse auf den Sprachwandel in den Regionen. Dass die so gewonnenen Erkenntnisse nicht nur von akademischem Interesse sind, sollte am Beispiel der forensischen Sprechererkennung gezeigt werden. Aufgrund der Ausprägung bestimmter sprachlicher Merkmale sei es möglich, die regionale Herkunft eines anonymen Sprechers zu bestimmen um so z. B. bei Erpresseranrufen die Fahndung zu erleichtern. Ein wichtiges Merkmal zur räumlichen Gliederung des Deutschen ist die sogenannte Zweite Lautverschiebung, die im Süden vollständig, im Norden hingegen gar nicht durchgeführt wurde. So wird das Wort ‚Kuchen‘ an der Nordsee ‚Koken‘ ausgesprochen, in der Schweiz hingegen‚Kchuachen‘. Beginnend mit der Zweiten Lautverschiebung nahm das Hochdeutsche ab dem 5. Jahrhundert eine andere Entwicklung als andere germanische Sprachen wie z. B. das Englische. Der Gegensatz von Dialekt und ‚Hochdeutsch‘ im heutigen Allgemeinverständnis entstand jedoch viel später. Abschließend skizzierte er diese Entwicklung hin zu einer landesweiten Schrift- und Aussprachenorm. In seinem insgesamt hoch interessanten Vortrag gelang es dem jungen Wissenschaftler Oberstufenschüler und Lehrkräfte gleichermaßen für die Arbeitsbereiche der Dialektologie zu begeistern, indem er seine wissenschaftlichen Ausführungen mit zahlreichen Tonbeispielen und anschaulichem Kartenmaterial reich illustrierte. Die abschließende Diskussion zeigte, dass auch bei unseren Schülern ein großes Interesse an der Reflexion über unsere deutsche Sprache und an den Dialekten und Sprachvarianten besteht.
Am Nachmittag referierte Philipp Spang noch vertieft in der eigens von Fachbetreuer Josef Poitsch auf diesen Tag terminierten Fachsitzung Deutsch, bevor er mit den umfangreichen Sprachaufnahmen zur Neuauflage des deutschen Sprachatlasses mit Hilfe der vorher sorgfältig ausgewählten „Gewährspersonen“, drei achtzehnjährigen Domspatzen, seinen langen Tag in Regensburg abschloss.

Wolfgang Judenmann


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