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G8 schickt Zeus in Rente

Ein würdiger Abschied vom Fach Griechisch bei den Domspatzen

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So titelte die Mittelbayerische Zeitung am 22. April 2008. Da es nach  60 Jahren Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen wegen des Wechsels zu einem Musischen Gymnasium heuer erstmals keine Griechisch-Anfänger gab, wollten die „Griechen“ mit ihrem Fachbetreuer Bernhard Gietl den Schluss dieser humanistischen Ära wenigstens mit einem würdigen  Finale begehen. Dieser hat mit einigen Schülern der K13 ein entsprechendes Theaterstück verfasst und im Wolfgangsaal aufgeführt.
Keine Spur von stoischer Gelassenheit legten die Schüler an den Tag, als sie den Olymp, also die Bühne des Wolfgangsaales stürmten. Im Publikum saßen ihre Mitschüler und Lehrer, von Herolden (Christian Pawellek und Gabriel Pfeilschifter) zur Ekklesia, zur „Volksversammlung“ geladen. Über den „Klimawandel“ beklagte man sich lautstark: keine dritte Fremdsprache mehr im G 8, und damit vor allem kein Griechisch mehr! Es sei zwar eine gewisse Erleichterung, da man mehr Zeit habe, aber: „Schade ist es.“ Jammervoll intonierten sie  den „Kaimos“, ein in Griechenland beliebtes Lied von Mikis Theodorakis über den Kummer. „Was tun?“, sprach Zeus („Patros“ Gietl), der „Vater der Männer und Götter“. Erst reagierte er ungehalten: „Das wusste ich schon damals, dass die Geschichte mit Prometheus ein schlimmes Ende findet. Erst erschafft er die Menschen und pfuscht mir ins Handwerk, dann stiehlt er von den Göttern das Feuer! Jetzt habt ihr den Dreck in der Pyxis!“  Als der Göttervater dann aber selber keine Idee zur Rettung hatte, empfahl er, doch kluge Leute wie Homer, die Musen, Thales, Solon, Aristoteles, Sokrates, aber auch Caesar und Cicero um Rat zu fragen. Deren Geister erschienen zwar, konnten aber nichts Effektives zur Lösung beitragen. Zusätzlich beunruhigt wurde Zeus, als ihn plötzlich die Erkenntnis überkam, dass dann ja auch die olympischen Götter überflüssig werden.  So überlegte er laut, wie er denn „sein Personal“ weiterbeschäftigen könne, eventuell über eine „olympische Agentur für Arbeit“: Hermes werde als Gott der Kaufleute und Diebe auch in Regensburg etwas finden, zumindest bei den Touristen oder auf dem Christkindlmarkt. Meeresgott Poseidon könne als Animateur in einem Freizeitclub arbeiten, Apollon zum Tanz aufspielen. „Eros geht bestimmt als Engel durch. Aber Ares? Der Kriegsgott ist doch schwer vermittelbar. Mal mit den Amerikanern reden!“
Eine echte Hilfe war dann der greise Seher Teiresias (Lukas Deutscher) der in die Zukunft schaute und die neuen Aufgaben der Unsterblichen aufzeigte. So werde Eros ein berühmter Sänger, Demeter werde ihre Bio-Produkte auf dem Markt anpreisen, Ares finde eine neue Heimat bei der NASA und Hades verwalte in Berlin Häuser. Wichtiger aber: Den Schatz griechischer Kultur müsse jeder selber pflegen, in allen Schulfächern wie auch im Umgang miteinander. „Bleibt alle beweglich, passet euch an, aber gebt euch nicht auf! Unsterblich ist er, der griechische Geist, ihr müsst ihn nur leben!“
Damit konnte nun auch Zeus etwas anfangen: „Aha, es geht also doch weiter, aber in veränderter Gestalt.“ Diese Zuversicht klang auch aus dem Lied „Philoi, euthymometha“, der griechischen Version des Studentenliedes „gaudeamus igitur“ (Gute Laune haben wir!).
Hilfreich für die weite Zukunft erschien auch der Rat des ägyptischen Phönix, der jährlich in den Flammen den Tod findet, aber stets aus der Asche wiedergeboren wird: „Haltet die Asche warm“!
Seit 1948 gibt es das Musikgymnasium und als solches selbstverständlich Griechisch als Schulfach. Für diese „Gastfreundschaft“ bedankte sich Zeus mit einem Lorbeerkranz bei allen, die Griechisch durch die Zeiten getragen haben: bei den Griechischlehrern Werner Wollenweber (Schulleiter bis 1988), Georg Lauerer (Fachbetreuer bis 1998), Wiltraud Glock (bis 2007) und Robert Harlander, aber auch bei den „Ehrengriechen“ Andreas Landesberger und Prof. Ludwig Zehetner, dazu beim derzeitigen Schulleiter Berthold Wahl. Anton Stops (bis 1985) konnte kurzfristig nicht kommen.
Mit den Worten, die Kaiser Augustus, als gebildeter Mann natürlich auf Griechisch, kurz vor seinem Tod sprach, verabschiedete sich „Patros“ Gietl: „Wenn es gut gefallen euch, gewähret Beifall diesem Spiel, und dankend lasst uns alle nun nach Hause gehen!“ Am Beifall wurde daraufhin nicht gespart und auch der Einladung im „Pronaos“ (Foyer) zu den „Gaben der Athene (Oliven), des Dionysos (Wein) und der Demeter (Brot) folgte man nicht ungern.

Bernhard Gietl


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