/ Schule / Schulleben / Der Film "Die Domspatzen"
Singen, Lernen, Freundschaft, Heimweh
Ein Jahr mit Deutschlands ältestem Knabenchor - am 16. Dezember auf arte
(von Gerhard Heldt, MZ vom 21.11.2008)
Der deutsch-französische Sender Arte hat mit dem Bayerischen Fernsehen die Domspatzen, einen der ältesten Knabenchöre der Welt, begleitet – nicht nur bei Proben und Konzerten, sondern vorrangig „privat“. Der Dokumentarfilm berichtet über das höchst abwechslungsreiche Leben von vier Internatsneulingen (ca. elf Jahre), die zum Schuljahresanfang zufällig zusammen in ein Zimmer kommen. Und wie Buben in dem Alter eben sind, so bleiben sie auch als Domspatzen, nur dass sie eben außer in den normalen gymnasialen Fächern umfangreich in Musik, vorrangig im Singen, ausgebildet werden.
75 Stunden Rohmaterial
Wie das Domspatzenleben im ersten Jahr, vom der ersten Stunde mit Stimmbildnerin Michaela Reiser bis zum Übergang in den Konzertchor, verläuft, was es neben der Musik noch alles parat hält, das verrät der Film „Die Domspatzen: Ein Jahr mit Deutschlands ältestem Knabenchor“.
Matti Bauer, Autor und Regisseur, hat ein Jahr lang das Leben der vier Internatszöglinge unter die Lupe genommen, 100 Filmkassetten à 45 Minuten aufgenommen; die interessantesten 90 schnitt er zu dem Film zusammen, der im Dezember bei Arte gezeigt wird und jetzt im Regensburger Regina-Kino als Preview zu sehen war. Keine Minute der konzentriertesten Stimmbildung wird da zu lang, kein Detail der behutsamen Anleitung zur Ordnung durch die Präfektin Christine Eckert, keine Probenminute mit dem Leiter des Nachwuchschores, Karl-Heinz Liebl. Die Spannung reißt nie ab, ob es um Sport, Konzertarbeit mit Domkapellmeister Roland Büchner, Gastauftritte bei Konzertreisen oder Aufnahmen im Domkreuzgang und im Dom geht – alles wird getragen von einer besonderen Stimmung, die, wie Büchner sie beschreibt, „einen geradezu wegheben kann“.
Wer im September kommt, soll zu Weihnachten schon Leistungsträger sein, d.h., möglichst über den Nachwuchschor schon in den Konzertchor aufgestiegen sein. Dass der eine oder andere nicht so schnell mitkommt, ist ebenso normal wie die Tatsache, dass der Stimmbruch unweigerlich für eine Übergangszeit die Mitgliedschaft im Konzertchor unterbricht.
Schlammbad an der Donau
Es gibt neben herrlich gesungenen geistlichen und weltlichen Chören überwältigend schöne Aufnahmen von Regensburg, sogar im nebligen Winter. Und es gibt ein Donau-Schlammbad der vier Buben auf der stadtzugewandten Seite der Jahninsel, dem im direkten Schnitt Mozarts „Veilchen“, intensiv und sehr reif im Ausdruck von einem Knaben gesungen, folgt. Der Film berichtet auch über Freundschaften und von Heimweh, schulische Misserfolge, verrenkte Haxn und beim Basketball angebrochene Finger – über Begebenheiten aus einem normalen Bubenleben eben.
Ausstrahlung am Dienstag, 16. Dezember (22.55 Uhr) auf Arte
