Kanon mit den Domspatzen

Dienstag, 02. April 2019, 14.35 Uhr Beim Mitsingkonzert war die Atmosphäre in diesem Jahr ganz besonders. Vielleicht auch deswegen, weil ein Abschied naht.

Dieses Mal war es irgendwie anders. Beim 8. Mitsingkonzert der Domspatzen, präsentiert von der Mittelbayerischen, erhob sich diese ohnehin erfolgreiche Veranstaltung in eine neue Dimension. Sie wurde zu einer persönlichen Feier, zu einer Art Hausmusik. Das Audimax wurde zum Wohnzimmer, die Domspatzen und das Publikum musizierten darin gemeinsam. Das neue Moderatorenpaar Marcus Weigl und Vera Semieniuk sorgte für die Gags am Wohnzimmertisch, Domkapellmeister Roland Büchner stimmte alle ein. Die Instrumente wurden gezückt und schon wurde gemeinsam gesungen: „Oh happy day“, „Nun will der Lenz uns grüßen“ und „Der Winter ist vergangen“ – letzteres übrigens mit besonderer Inbrunst.

Publikum als Special Guest
Es war ein Genuss, ein Erlebnis, ein Gefühl, das man sich im kommenden Jahr vielleicht genau wieder so wünschen wird. Domkapellmeister Roland Büchner hatte die Idee, in diesem Jahr keinen Special Guest als Kontrapunkt zu den Domspatzen zu setzen. Ohne Zweifel waren alle bisherigen Mitsingkonzerte ein ebenso großer Erfolg. Sei es, dass Lorenz Kellhuber den Jazz mitbrachte oder Josef Menzl mit seiner Blaskapelle das Publikum in ausgelassene Stimmung brachte – jedes Mitsingkonzert war auf seine Weise herausragend. Doch in diesem Jahr war es eben noch ein bisschen mehr. Vielleicht auch, weil es für den Domkapellmeister das letzte Mitsingkonzert war, das er leitete.

Die Menschen in Regensburg singen gern. Das mag hier, so nahe an den Domspatzen, der Kirchenmusikhochschule und den vielen anderen hervorragenden Chören in Regensburg nicht verwundern. Bei den vergangenen Mitsingkonzerten war die Zahl der Lieder mit Publikumsbegleitung deutlich kleiner gehalten. Doch das Publikum hatte sich stets mehr gewünscht. Mehr von dem guten Gefühl, wenn die eigene Stimme erschallt. Weil Singen eben glücklich macht. Es sei so etwas wie zaubern, sagte der Domkapellmeister bei der gestrigen Veranstaltung. „Dem Singen wohnt ein Zauber inne, den jeder spürt.“ Die tiefe Atmung, die Motorik der Stimmbänder und alles, was das zentrale Nervensystem beim Singen im Körper aktiviere, sei positiv. „Beim Singen wird das Belohnungssystem aktiviert, der Stress wird gesenkt, das Immunsystem gestärkt. Das Singen vernetzt Synapsen im Gehirn und wir werden ausgeglichener, gesünder und übrigens auch klüger“ sagte Büchner. Damit wird auch klar, welches Geschenk er seinem Publikum zum Abschied machen wollte. Büchner wollte, dass sein Publikum so viel von diesem Glück mitnehmen konnte, wie nur möglich. Dabei verlangte er dem großen Chor der Zuhörer auch Einiges ab. Da gab es den Kanon von „Es tönen die Lieder“ und von „Himmel und Erde“, die er das Publikum, parallel in Gruppen eingeteilt, singen ließ. Gar nicht so leicht, doch die Amateure in den Zuschauerrängen zeigten sich durchaus fähig, aus dem Stegreif auch schwierigere Chor-Aufträge zu erfüllen.

Unter den Stammgästen war auch wieder Fürstin Gloria von Thurn und Taxis mit ihrer Nichte, der Tochter ihrer verstorbenen Schwester Maya. Die beiden zeigten sich mitsingkonzerterprobt. Wadl-Klopfer und Jodler – alles wurde vom Publikum begeistert aufgegriffen. Ja, man kann schon sagen, die Zuhörer waren zu allem bereit!

Engelsgleiche Musik
Ein Highlight war das Moderatorenpaar Vera Semieniuk und Marcus Weigl. Vera Semieniuk ist Mezzosopranistin an der „Staatsoper Regensburg“, wie der Pressesprecher der Domspatzen, Markus Weigl, mit einem Augenzwinkern erklärte. Er und die Opernsängerin bewiesen bei diesem Konzert nicht nur ihre Fähigkeiten als Moderatoren, sondern vor allem als Komiker, die sich auch selbst veralberten. Um beim eingangs erwähnten Bild der Hausmusik zu bleiben, waren Semieniuk und Weigl die lustigen Verwandten, die eine Familienrunde stets bei Stimmung halten können.

Der Konzertchor der Regensburger Domspatzen und auch die Vorchöre sowie die Grundschulchöre bewiesen einmal mehr, wie schön menschliche Stimmen klingen können: Der junge Solist Julian Westermeier trieb den Zuhörern die Tränen in die Augen, denn seine Stimme erinnerte an Engelsgesänge.

Unbedingt zu erwähnen ist auch der fantastische Gitarrensolist Domspatz Peter Ermer, der mit seinem Instrument zu einer spanischen Emotion verschmolz und das Publikum berührte. Ebenso brilliant war die Interpretation der Klaviersonate von Pjotr Tschaikowsky Opus 37, die Klaviervirtuose und Domspatz Christoph Preiß seinem Publikum darbot. Nicht zu vergessen ist die Bigband der Domspatzen (Leitung Christopher Weighart), die den Swing im Blut hat und den Groove lebt. Das Trio mit Kassian Brandscherdt, Klara Brandscherdt und Cosima Lemcke wurde vom Publikum ebenso mit großem Applaus bedacht.

Es war ein erster Abschied von Domkapellmeister Büchner. Auch deshalb war dieser Nachmittag ein ganz besonderer. Mit den Domspatzen singen, das will das Publikum aber auch wieder im kommenden Jahr.

Angelika Lukesch, Mittelbayerische Zeitung vom 25. Marz 2019

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