Interview mit dem Künstler Neustifter

Mittwoch, 25. April 2018, 14.35 Uhr Die Klasse 3B beschäftigt sich intensiv mit dem Papstdenkmal

Fragen zum „Papstdenkmal“ an den Künstler Joseph Michael Neustifter

Interview der Klasse 3B der Privaten Grundschule der Regensburger Domspatzen

Maximilian B: Zu welchem Anlass haben Sie das Papstdenkmal gestaltet?

Künstler Neustifter: Das Papstdenkmal soll an den Besuch Benedikts im Jahr 2006 erinnern. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in Regensburg gelebt und hat bei seinem Besuch in Regensburg in diesem Umfeld, im Priesterseminar, übernachtet. Es ist auch eine Erinnerung an die Zeit, in der er als Papst in der Welt gewirkt hat. Die Symbolik der Zeit ist ebenfalls in das Kunstwerk eingearbeitet.

Tizian: Gab es eine Ausschreibung zur Gestaltung eines Papstdenkmals und was war die Grundidee Ihres Kunstwerks?

Joseph Michael Neustifter: Das Bischöfliche Ordinariat hat mich ausgewählt und mir Vertrauen geschenkt, da ich schon viel für die Diözese gestaltet habe. Ich hatte mir überlegt: Papst Benedikt ist ein großer Verehrer von Benedikt von Nursia, dem Schutzpatron Europas. Ich wollte etwas Europäisches und international Verbindendes einarbeiten, das war die Idee. Das Haus Europa. Verschiedene europäische Länder zusammen in einem Haus. Das Haus Gottes. Das Haus der Geschichte. „Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“

Fabian: Wann und wie wurde das Kunstwerk eingeweiht? Künstler Neustifter: Das Papstdenkmal wurde am 12. September 2017 durch Bischof Rudolf Voderholzer enthüllt, feierlich eingeweiht und gesegnet. Zuvor, während des Gottesdienstes, sangen die Regensburger Domspatzen. Bei der Enthüllung am Abend hat Erzbischof Georg Gänswein, Präfekt des päpstlichen Hauses, als sein Sekretär den emeritierten Papst vertreten und ein Grußwort Benedikts verlesen.

Simon: Wieso steht das Papstdenkmal vor der Kirche St. Jakob und vor dem Schottenportal und nicht vor einer anderen Kirche?

Herr Neustifter: Die Jakobskirche ist die Kirche des Priesterseminars. Der Ort steht in Verbindung mit der Erinnerung an den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Regensburg und seiner Übernachtung im nahegelegenen Priesterseminar während seines Bayernbesuchs. Zudem ist im Priesterseminar seit 2008 das Institut Papst Benedikt XVI. untergebracht. Das Papstdenkmal schafft eine künstlerische Verbindung zu dem schönen, romanischen Schottenportal.

Maximilian H.: Haben Sie zuerst einen Entwurf für das Papstdenkmal gemacht?

Herr Neustifter: Ich habe mehrere Entwürfe gemacht, etwa 4 bis 5. Die Modelle habe ich im Maßstab 1:10 in Bronze gegossen.

Lazaar: Wie lange haben Sie insgesamt an dem Kunstwerk gearbeitet?

Herr Neustifter: Das war gar nicht so lange, ein Jahr lang habe ich daran gearbeitet. Es gab viele Gespräche, viel Vorbereitung und auch die Genehmigung für den Platz, auf dem es steht, musste eingeholt werden.

Christian: Haben Sie das Kunstwerk ganz alleine gemacht oder hat ihnen jemand dabei geholfen?

Joseph Michael Neustifter: Ganz alleine. Als Künstler kann man seine Idee nicht an andere weitergeben.

Arno: Wieviel wiegt das Papstdenkmal? Herr Neustifter: Mit dem Stein zusammen wiegt es etwa 2 ½ Tonnen. Moritz: Welche Materialien haben Sie verwendet? Wurde das Kunstwerk gegossen?

Herr Neustifter: Das Haus besteht aus einer hellen Bronzelegierung, die ich mir selber mische. Es handelt sich um einen Unikatsguss, der nur einmal auf der Welt existiert. In einem Wachsausschmelzverfahren wurde es in Bronze gegossen.

David: Ist auch echtes Gold eingearbeitet?

Joseph Michael Neustifter: Eigentlich nicht, aber ich habe Silber in meine Bronzelegierung eingearbeitet.

Noah: Ist das Kunstwerk innen hohl oder ist drinnen etwas versteckt?

Herr Neustifter: Beim Bronzeguss muss es innen hohl sein. Ihr seid die Ersten, denen ich es verrate: Es ist auch etwas in dem Haus: Ein großes Kreuzzeichen mit Christus und dem Symbol des Pantokrators. Der Regenbogen ist zu Füßen von Christus.

Rubin: Wo wurde das Papstdenkmal angefertigt?

Künstler Neustifter: In meinem Atelier in Eggenfelden, das ist etwa 120 Kilometer von Regensburg entfernt.

Konstantin: Was soll das Kunstwerk dem Betrachter sagen?

Herr Neustifter: Als Künstler möchte ich kein Rezept für den Betrachter ausstellen. Das Haus symbolisiert die Kirche, auch das Haus Europa. Das Fundament ist der Fels (Petrus, der Fels, der Papst als Fels). Das Haus hat verschiedene Seiten, es ist keine klare Architektur, das Haus ist leicht verdreht, es hat gerundete Ecken, man merkt ihm die Spuren der 2000 Jahre der christlichen Kultur an, es ist leicht verschoben, hat sich etwas verändert. Das Haus steht auf einem ganz exakten Felsen, ihn kann man nicht verrücken, es steht auf einem Fundament. Der schwarze Stein ist aus Ägypten, aus dem Land der ägyptischen Pyramiden aus einem Land des Alten Testaments. Das Haus hat vier Seiten. Eine Seite ist Petrus gewidmet, Petrus, dem Fischer. Drei Hände, die drei Weltreligionen, versuchen sich zu berühren. Darüber die Taube, das Symbol der Hoffnung und der Ölzweig (Arche: Land ist in Sicht!). Auf einer Seite sieht man die heilige Familie, die Geburt Christi. Zwei, die zusammen auf der Geige spielen, ein Duett des Heiligen Vaters mit Gott. Benedikt ist ein zutiefst musikalischer Mensch. Musik stellt eine geistige Verbindung her. Auf der großen Seite sieht man das Schöpfungssymbol, Adam und Eva. Wir haben Verantwortung für den Boden, das Wasser und die Luft. Maximilian Schott: Wieso haben Sie eine Tür, die sich öffnet, in das Haus eingebaut? Joseph Michael Neustifter: Ein Haus ohne Türe ist schwierig. Der Betrachter soll sich auf den Weg machen. Wir gehen hinaus in die Welt und wollen wieder heimkommen. Auch Papst Benedikt ist im Jahr 2006 gerne wieder heimgekommen. In der Bibel finden wir ebenfalls die Symbolik: Jakob macht sich auf den Weg (Jakobsweg). Der verlorene Sohn kehrt heim… Die große Türe ist leicht offen. Vielleicht habt ihr die wichtigen Worte „Glaube. Hoffnung. Liebe.“ entdeckt, als ihr in den Türspalt reingeschaut habt.

Luca: Welche Symbole gibt es zu entdecken?

Herr Neustifter: Die Hauptsymbole, die es zu entdecken gibt, sind Petrus mit dem Fischernetz, die drei Hände als Zeichen der Verbindung der Weltreligionen, die Türe des Heimkommens und des Sich-auf-den-Weg-machens, das Schöpfungssymbol, das Symbol für Europa. Es gibt auch zahlreiche kleine Symbole zu erkunden wie das Duett mit Gott, die Heilige Familie und Benedikt von Nursia.

Silas: Welches ist Ihr persönliches Lieblingssymbol? Herr Neustifter: Das ist eine schwierige Frage, da ich alle Symbole mag. Ganz besonders jedoch mag ich das Symbol mit den drei Händen, welches ich öfter in meine Arbeiten einbaue. Es soll symbolisieren, dass man sich die Hände reicht, wie man auch in der Musik aus verschiedenen Tönen einen großen Akkord macht. Viele Töne müssen zusammenklingen. Die Menschen, egal welcher Hautfarbe oder Religion reichen sich friedlich die Hände. Ich habe die Hoffnung in mir, dass dies bald passiert.

Tizian: Wir haben an dem Kunstwerk eine vergängliche Rose angebracht, als wir das Kunstwerk besucht haben. Was könnten die Betrachter noch anbringen?

Herr Neustifter: Die Betrachter könnten auch Bänder in den Kirchenfarben anbringen, oder ein Buchskränzchen vor Weihnachten, man könnte auch einen kleinen Brief hinhängen oder einfach ein kleines Blümchen mitnehmen und im Vorbeigehen in die angebrachte Öse stecken.

Simon: Wir haben uns zusammen mit unserer Lehrerin Frau Stadtherr mit dem Papstdenkmal künstlerisch auseinandergesetzt und wollten es „begreifen“. Wir haben mit Papier und Bleistift einen Abrieb unserer Lieblingssymbole gemacht.

Herr Neustifter: Dadurch, dass ihr das Haus und die Symbole und Figuren angefasst habt und Details mit Bleistift auf Papier abgerieben habt, ward ihr so nah dran, dass ihr Details entdeckt habt und sie begriffen habt. Ihr habt den Sinn der Figur dadurch sehr gut verstanden und in euren Herzen verinnerlicht.

Fabian: Verraten Sie uns auch ein bisschen über sich? Seit wann sind Sie Künstler und wollten Sie schon immer Künstler werden?

Künstler Neustifter: Schon als Kind hat mich Bildhauerei interessiert. „Ich will ‚Bilder-Bauer‘ werden“ habe ich als ganz kleines Kind gesagt. Ich beschäftige mich nun bereits in fünfter Generation innerhalb meiner Familie mit Bildhauerei. Ich will jeden Tag arbeiten und mich jeden Tag beschenken, ich habe viel Freude an meiner Arbeit. Ich bin immer der Erste, der etwas geschenkt bekommt, wenn eine Arbeit fertig ist. Ich bin sehr diszipliniert, bereits um 5 oder 6 Uhr beginne ich und erst bei Sonnenuntergang verlasse ich mein Atelier wieder. Ich habe viel Glück im Leben gehabt. Begabung musst du in dir tragen. Mit 18 Jahren habe ich meinen ersten Auftrag bekommen und mit 20 Jahren durfte ich die erste Kirche einrichten.

Auch Musik war in unserer Familie sehr wichtig. Mit 5 Jahren wollte ich unbedingt eine Geige haben. Meine Mutti hat mich auf Ihrem Rad mit einem Körberl zu einem sehr guten Geigenlehrer gefahren und anschließend wieder in den Kindergarten.

Maximilian H.: Wie viele Kunstwerke haben Sie in Ihrem Leben bereits gestaltet?

Herr Neustifter: Ich habe über 100 Kirchenräume gestaltet von Altar über Ambo, Tabernakel und Kreuzweg, über 250 große Bronzen und unzählige kleine Arbeiten. Meine Arbeiten sind immer Unikate.

Luca: Wie viele Ihrer Kunstwerke stehen in Regensburg und Umgebung? Welche Kunstwerke? Joseph Michael Neustifter: In Regensburg stehen 12 große Arbeiten, wie zum Beispiel die drei Musiker vor dem Stadttheater, der Brunnen im Bischofshof, den Bischof Graber vor etwa 30 Jahren in Auftrag gegeben hat, die Ägidiuskirche (Altar, Ambo,…) und die Kapelle auf Schloss Spindlhof.

Die ganze Klasse 3B: Herzlichen Dank für das Interview und für das Papstdenkmal, welches wir nun noch mehr in unseren Herzen tragen, sehr geehrter Herr Joseph Michael Neustifter.

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