Ein letztes Mal 200 Domspatzen dirigiert

Donnerstag, 18. Juli 2019, 09.23 Uhr Mit Pontifikalamt im Dom und Festakt im Wolfgang-Saal wurde der Domkapellmeister offiziell verabschiedet

25 Jahre wirkte Roland Büchner als Domkapellmeister, als Chef der weltbekannten Regensburger Domspatzen, im Bistum Regensburg. Nun geht er Ende Juli in den Ruhestand. Anlässlich seiner Verabschiedung feierte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Kathedrale St. Peter ein Pontifikalamt. Das Gotteshaus, so der Bischof zur Begrüßung, sei so gut besucht, wie oftmals nur bei der Christmette. Kein Wunder, denn zahlreiche Weggefährten, ehemalige Domspatzen, Priester und Ehrengäste waren gekommen, um den beliebten Domkapellmeister in den Ruhestand zu verabschieden. Ebenso nahmen alle Chöre der Domspatzen teil, so dass mehr als 200 junge Sänger noch einmal zusammen mit ihrem Vorbild und Lehrer die Heilige Messe musikalisch gestalteten.

Ein Vierteljahrhundert den Chor geprägt
In seiner Predigt lenkte Bischof Rudolf den Blick auf die Bedeutung der Musik in der Liturgie. „Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. … Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder!“ Dieser Aufruf des Apostels Paulus an die Kolosser, so der Bischof, habe in der Kirche der Jahrhunderte lebhaften Widerhall gefunden, besonders in Regensburg. Dort pflegten die Domchöre, vom heiligen Wolfgang noch im ersten Jahrtausend gegründet und seit über 100 Jahren liebevoll „die Domspatzen“ genannt, eine reiche kirchenmusikalische Tradition. „Ein Vierteljahrhundert davon haben Sie, lieber Herr Domkapellmeister, diesen Chor geleitet und geprägt, nachdem Ihnen Domkapellmeister Georg Ratzinger den Stab übergeben hatte, den Sie nun wiederum an den neuen Domkapellmeister Christian Heiß weitergeben dürfen“, so Bischof Voderholzer.

Musik im Dienst der Verkündigung
Die Musik in der Kirche, der geistliche Gesang habe dem Wort, dem Wort Gottes und seinem Ankommen-Können im Herzen der Menschen zu dienen, erklärte Bischof Rudolf Voderholzer. Die Musik im klassischen Verständnis der katholischen Liturgie stehe im Dienst der Verkündigung des Wortes und der Ant-Wort des Glaubens, wie die Stimme dem Wort Gehör verschafft. „Nicht nur ihre Buben und ihre Männer sind ihnen für ihren musikalischen Wegbereiter-Dienst von Herzen dankbar, sondern auch der Bischof und das ganze Bistum“, so Bischof Voderholzer abschließend. Beim großen Auszug durch das Südportal der Kathedrale bildetet alle drei Chöre der Domspatzen auf dem Domplatz ein Spalier für Roland Büchner. Mit Applaus würdigten die Jungen ihren Domkapellmeister, der gerührt durch die Reihen schritt.

Ein Musiker vor Gott
Im Anschluss feierten die Domspatzen, Kollegen, Wegbegleiter und Ehrengäste im Haus der Domspatzen noch einen Festakt. Eingeladen hattenm dazu der Bischof und das Domkapitel. Gleich zu Beginn würdigte Dompropst Dr. Franz Frühmorgen, auch Vorsitzender des Stiftungsrats der Regensburger Domspatzen, die Leistungen von Roland Büchner als Domkapellmeister.„Unvergessen wird mir bleiben, wie un­vergleichlich lange Du am Ende von Konzerten, aber auch von bedeutenden Gesän­gen im Dom die Hand ausgestreckt ge­halten hast – nicht nur um die Spannung zu hal­ten und das Gehörte nachwirken zu lassen“, sagte Frühmorgen. Dies sei auch ein bewusstes Innehalten vor Gott. Büchner ging es immer darum, Musik zur Ehre Gottes zu machen. Das habe man zu jeder Zeit spüren können. „Deine Mu­sik hatte Seele und das ist mehr als künstle­risch perfekt. Die Buben, so dein Anliegen, müssen wissen, was sie singen und vor wem sie singen“, so der Dompropst.
Weil Roland Büchner die Buben und Männer im Chor gewonnen hat, konnte er den Chor auch klanglich und vom Re­pertoire her weiterentwickeln. Dabei sei er der Regensburger Traditi­on mit ih­rer romantischen Auslegung altpolyphoner Vokalmusik treu geblieben, habe aber auch unheimlich viel an neuer hochstehender Chorliteratur in sie integriert. „Über 1000 Gottes­dienste hast Du in den 25 Jahren im Dom auf diese Weise bereichert und in unzähligen Konzerten mit Deiner Musik auch außerhalb des Gottesdienstes Gott besungen und den Glauben verkündet“, sagte der Dompropst. Domkapellmeister bei den Domspatzen sei aber eben nicht nur Musik. Es ist auch Verwal­tung und Leitung einer Einrichtung mit über 160 Angestellten. Chor, Internat, Gymnasi­um, seit 2013 auch die integrierte Grundschule sind die Säulen der Einrichtung. Da sei viel Abstim­mung, Auseinandersetzung und Zusammenbringen unterschiedlichster In­teressen erfor­derlich. Für Büchner „zählte immer das Ganze“. Frühmorgen dankte dem Domkapellmeister für sein Engagement, seine Leidenschaft, das gute Miteinander und auch dafür, dass er der „Kirche ein sympathisches Gesicht gegeben“ habe.  

Zum Abschied bekommt Büchner ein kleines Modell des Regensburger Domes in Gold. Dieses und noch 600 andere Modelle werden anlässlich des Jubiläums „150 Jahre Domtürme“ von Künstler Otmar Hörl erstellt und Ende August in der Stadt zu einem Gesamtkunstwerk installiert.  

Festrede und Grußworte
Professor Ulrich Hommes, früherer Vorsitzender des Domchorvereins und guter Freud von Büchner, sprach als Festredner über „Roland Büchner und die Musik“. „Wenn man die Domspatzen im Dom nicht hört, fehlt einem etwas“, sagte Hommes. Er zeigte in seinem Vortrag auf, welche Wirkung Musik und Gesang auf die Seele und das Wohlbefinden des Menschen haben. Er sei von Anfang an von den Domspatzen im Dom gepackt worden. „Wenn ich sie im Gottesdienst gehört habe, fühlte ich mich danach freier, einfach gelöster“, sagte er. Stadtrat Dr. Klaus Rappert überbrachte Glückwünsche und würdigende Worte der Stadt Regensburg. Dr. Clemens Prokop dankte dem Domkapellmeister im Namen des Domchorvereins und aller seiner gut 1100 Mitglieder. „Roland Büchner in all seinen Facetten zu beschreiben, würde den Rahmen sprechen. Er wird von seinen ehemaligen Sängern beschrieben als Vollblutmusiker und Klangfanatiker, vor allem aber als toller Mensch“, sagte Prokop. Damit habe er die Domspatzen weiterentwickelt und sich selbst einen bleibenden Namen gemacht.

Zeit für einen Neuanfang
Roland Büchner selbst hatte die Schlussworte des Tages. Er danke allen für die Unterstützung und das Vertrauen in den letzten 25 Jahren. Sichtlich berührt blickte er auf seine Zeit als Domkapellmeister in Regensburg zurück. Er ermutigte die neuen Verantwortlichen, neu aufzubrechen und dabei die Tradition der Domspatzen im Blick zu behalten. „Nach 25 Jahren darf es schon auch wieder einen neuen Anfang geben“, sagte er. Er werde seine „Männer“ vermissen und auch den Chorklang, den er in dieser Form nie wieder haben wird. Jetzt werde er wieder mehr Zeit zum Wandern und zum Orgelspielen haben. Aber ganz ohne Chor wird es für ihn nicht gehen. Die Domspatzen werde er immer im Herzen tragen. „Sie sind ein großes Stück meines Lebens geworden“, sagte er.

Roland Büchner begann am 1. September 1994 als Chef der Regensburger Domspatzen. Mehr als 1000 Gottesdienste gestaltete er musikalisch im Dom und in Kirchen deutschlandweit. Unter ihm konzertierte der Domchor dreimal in Japan (1998, 2000 und 2004) und unternahm Auslandstourneen nach Frankreich, Italien, Österreich, Ungarn, Schottland, auf die Philippinen, nach Südafrika (2008), Taiwan (2011), China (2012), in die USA (2014) sowie im November 2015 nach Spanien und im April 2016 in den Oman. Im September 2018 reiste der Chor mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum ersten Mal in seiner Geschichte ins Heilige Land. Ende Juli tritt Büchner nun in den verdienten Ruhestand.  Seine Nachfolge übernimmt ab 1. September Christian Heiß.

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