Seelsorger und Ausnahmemusiker

Donnerstag, 09. Juli 2020, 08.58 Uhr Die Kirche von Regensburg verabschiedete sich von Georg Ratzinger. Sechs Knaben der Domspatzen sangen erstmals nach dreieinhalb Monaten wieder im Regensburger Dom.

Am Mittwochvormittag hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer im Hohen Dom St. Peter zu Regensburg dem Pontifikalrequiem für den verstorbenen Apostolischen Protonotar Prof. Dr. h.c. Georg Ratzinger vorgestanden. Rund 220 trauernde Personen feierten den ergreifenden Gottesdienst mit. Viele tausende Gläubige waren über den Livestream zugeschaltet und nahmen auf ihre Weise von der Person des langjährigen Domkapellmeisters und Leiters der Regensburger Domspatzen Abschied.

Bischof Rudolf Voderholzer zur Seite standen Erzbischof Dr. Georg Gänswein, der am Ende des Gottesdienstes ein Schreiben von Papst em. Benedikt XVI. verlas, sowie, als Vertreter von Papst Franziskus und Papst em. Benedikt, der Apostolische Nuntius Dr. Nikola Eterovic, der aus Berlin gekommen war. Benedikt XVI. war wenige Tage zuvor eigens zu seinem Bruder nach Regensburg gekommen. In diesem Augenblick nun war er mit den Feiernden per Livestream verbunden. Nach Regensburg gekommen war Gerhard Kardinal Müller, der der Diözese von 2002 bis 2012 vorgestanden hatte. Auch der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx sowie Bischof Dr. Gregor Maria Hanke aus Eichstätt, Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst und Weihbischof Dr. Josef Graf nahmen an den Feiern teil. Ein 16-köpfiges Vokalensemble ehemaliger Regensburger Domspatzen unter der Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß und Domorganist Prof. Franz Josef Stoiber gestalteten die Liturgie musikalisch auf höchstem Niveau. Der Begräbnisfeier auf dem Unteren katholischen Friedhof, die dem Requiem folgte, stand der Stiftsdekan Prof. Dr. Dr. Johannes Hofmann vor. Im Kanonikerstift St. Johann am Fuße des Domes hatte der Domkapellmeister im Ruhestand eine geistliche Heimat gefunden.

Der Apostolische Protonotar Georg Ratzinger hatte von 1964 bis 1996 die Regensburger Domspatzen geleitet und als Domkapellmeister gewirkt. Am 1. Juli 2020 war er im 97. Lebensjahr verstorben. Der Priester, der das katholische Priestertum mit der Kirchenmusik verbunden hatte, war am 15. Januar 1924 in Pleiskirchen unweit von Altötting geboren worden. In Regensburg erfreute er sich sehr großer Beliebtheit, was auch der Zustrom unzähliger Menschen nach St. Johann am Tag vor dem Pontifikalrequiem unterstrich. Dabei hatte die Möglichkeit bestanden, sich von dem aufgebahrten früheren Domkapellmeister zu verabschieden.

Bischof Dr. Voderholzer nannte im Requiem wichtige Stationen des Lebens Georg Ratzingers. Er betonte, dass dieser eine glückliche Kindheit verlebt hatte, trotz Verletzung ohne bleibenden körperlichen Schaden aus dem Krieg bzw. aus kurzer Gefangenschaft heimkehrte und die Berufung zum katholischen Priestertum im Sinne des Seelsorgers als große Gnade erfuhr. Zusammen mit der Berufung zur Kirchenmusik – als Chorleiter und auch Komponist – war dies eine „Doppelberufung“, wie der Bischof von Regensburg unterstrich. Der Bischof erinnerte daran, dass er am 29. Juni 1951 zusammen mit seinem Bruder Joseph im Freisinger Dom das Sakrament der Priesterweihe erhielt. Dr. Voderholzer nannte es außerdem „eine Fügung“, dass Georg Ratzinger am 8. Juli 1951 erstmals als Priester in St. Oswald Traunstein vor dem Altar stand, übrigens am selben Tag wie auch Joseph Ratzinger – eine Fügung, insofern dies, auf die Stunde des aktuellen Requiems in Regensburg bezogen, exakt 69 Jahr zuvor gewesen war.

In den Jahren an der Spitze der Regensburger Domspatzen formte Georg Ratzinger einen außergewöhnlichen Chorklang. Er dirigierte mehr als 1000 Konzerte und mehrte den Ruhm des Domchores. Als Domkapellmeister prägte er außerdem die Liturgie an den Sonn- und Feiertagen im Dom zu Regensburg. 2009 wurde der Domkapellmeister Ehrendomherr am Dom St. Peter. In den vergangenen Jahren stand ihm Sr. Laurente Goldbrunner von den Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf zur Seite. In der Todesstunde war Georg Ratzinger nicht allein. In seinem Leben hat er täglich die heilige Messe gefeiert.

Bischof Dr. Voderholzer sprach von der „großen Lebensleistung“ des Verstorbenen, den tieferen inneren Zusammenhang der Doppelberufung zum Priestertum und zur Kirchenmusik als Vermächtnis für die Kirche von Regensburg und darüber hinaus verwirklicht zu haben. Demnach ist Kirchenmusik keinesfalls äußere Zutat, sondern Gebet selbst. Kirchenmusik habe dem Wort zu dienen, erklärte der Bischof. Dass Domkapellmeister Georg Ratzinger dieses sein Amt „höchst kompetent“ verwirklicht habe, indem er die kirchenmusikalische Tradition der Diözese Regensburg wie kein anderer verkörperte, sei Ausdruck der Verbindung von Kirche und Kultur selbst. In anderen Zusammenhängen gilt sie dagegen als „gestört“, in Regensburg nicht. Der Domkapellmeister habe Qualität und Menschlichkeit miteinander verbunden. Dass seine Persönlichkeit in hohem Maße geschätzt sei, habe sich nicht zuletzt in tausenden Einträgen in die digitalen und analogen Kondolenzbücher erwiesen, stellte der Bischof von Regensburg fest. Auch gehörte es, sagte Dr. Voderholzer weiter, zur Größe Georg Ratzingers, Fehler eingeräumt und um Verzeihung gebeten zu haben.

Erzbischof Georg Gänswein trug, phasenweise tränenbewegt, das Schreiben von Papst em. Benedikt vor, der all denjenigen dankte, die sich in den vergangenen Wochen bei der Begleitung seines Bruders im Leiden und Sterben eingesetzt hatten. Ganz besonders hob der Papst in diesem Zusammenhang Bischof Voderholzer hervor. Überhaupt dankte der Papst emeritus für die vielfach bezeugte Anteilnahme, die ihn aus der ganzen Welt erreicht hatte. Dies habe sein Herz berührt. Benedikt XVI. würdigte die „heitere Geselligkeit“ seines Bruders, die Freude an den guten Gaben der Schöpfung sowie die Tatsache, dass er allerdings auch ein „Mann des direkten Wortes“ war. Sein Bruder habe den erzwungenen weitgehenden Verzicht auf das Augenlicht in den vergangenen 20 Jahren getragen. „Im Letzten war er ein Mensch Gottes. Seine Frömmigkeiten war die eigentliche Mitte seines Lebens.“

Domkapellmeister Christian Heiß nannte den Verstorbenen einen „Ausnahmemusiker“. Bei allen Erfolgen sei er immer bescheiden geblieben. Er habe Konzertsäle in Gebetshäuser verwandelt. Der Klang, den er dem Chor gegeben habe, sei „weich, tiefgründig und charmant“. Zu vielen „Ehemaligen“ habe G. Ratzinger eine große Verbundenheit gepflegt. Auch auf dem Friedhof sang das Vokalensemble aus ehemaligen Domspatzen.

Ein besonders bewegender Moment war wohl der Gesang von sechs Knaben, die zum ersten Mal nach dreieinhalb Monaten wieder ihre wunderbar klaren Stimmen im Dom erklingen ließen konnten. Sie sangen vorm Sarg des früheren Domnkapellmeisters Mendelsohns Terzett "Hebe deine Augen auf". Besonders schöne Zeichen: Die Motette "Denn er hat seinen Engeln" von Felix Mendelssohn-Bartholdy durfte Karl Heinz Liebl, als Chorleiter langjähriger Weggefährte und Vertrauter von Georg Ratzinger, dirgieren. Den abschließenden marianischen Gesang („Segne du, Maria“) am offenen Grab dirigierte Domkapellmeister Roland Büchner, der dem Verstorbenen im Amt unmittelbar gefolgt war.

Auf der Homepage www.bistum-regensburg.de finden Sie Statio, Predigt sowie das Wort von Papst em. Benedikt XVI. im Wortlaut.

Lesen Sie unten den Nachruf von Domkapellmeister Christian Heiß, dem Nach-Nachfolger von Georg Ratzinger.

Fotos: Michael Vogl/Domspatzen

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